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Der Sturm (13 (1922), 4)

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Bibliografische Daten

fullscreen: Der Sturm (13 (1922), 4)

Zeitschrift

Titel:
Der Sturm
Untertitel:
Wochenschrift für Kultur und die Künste
Sammlung:
Zeitschriften
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Signatur:
DADA III:9
Persistenter Identifier:
12597
Erscheinungsort:
Berlin
Verlag:
Verlag Der Sturm
Sprache:
Deutsch
ISSN:
0000-0000

Zeitschriftenband

Titel:
Der Sturm
Sammlung:
Zeitschriften
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Signatur:
DADA III:9:4
Persistenter Identifier:
24694
Bandzählung:
13 (1922), 4
Erscheinungsort:
Zürich
Ausgabenbezeichnung:
[Electronic ed.]

Kapitel

Titel:
Shimmy
Sammlung:
Zeitschriften
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Kapitel
Autor:
Walden, Herwarth

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Der Sturm
  • Der Sturm (13 (1922), 4)
  • Einband
  • Vorderer Buchspiegel
  • Titelseite
  • Shimmy
  • Der Mietvertrag
  • Jetzt kommen sie
  • Gedichte
  • Ornement architectural / Coulisse (1915)
  • Unschlaflied
  • Jeder Tod ist leicht
  • Spanische Tänzerin (1915)
  • Gedichte
  • Dekorationsskizze zu dem Ballett "Le coq d'or" (1913)
  • Dadaïsme
  • Akt
  • Musique (Musik)
  • Kunst in der Presse
  • Inhaltsverzeichnis
  • Spiegel
  • Einband

Volltext

51 
Tanzlehrer und Tanzlehrerinnen fürchteten 
den Ruin ihres ruinösen Berufes. Sie kennen 
nur eine einzige Sorge, den Shimmy 
gesellschaftsfähig zu machen. Das heisst: 
ihn akademisch zu formulieren. Aus dem 
selben Grunde nehmen auch die Malprofes 
soren den Expressionismus in der Akademie 
auf. Auch hier besteht nur noch die ein 
zige Schwierigkeit, zwar nicht die Schreib 
art, aber den Ursprung des Wortes Expres 
sionismus festzustellen. Aber der Shimmy 
lässt sich nicht einordnen, weil er selbst 
künstlerische Ordnung ist. Er ist 
nicht Dekadenz, er ist Kadenz. Er ist freie 
Gebundenheit und nicht gebundene Freiheit. 
Er ist gebildet aus künstlerischem Instinkt 
und nicht aus verbildetem Intellekt. Seine 
Musik redet nicht die Sprache der Töne, 
seine Musik tönt das Schweigen des Redens, 
das Unaussprechliche. Hier fassen künst 
lerische Gesetze den Fuss und zwingen ihn 
zur rhythmischen Gestaltung. Zwar wird 
behauptet, dass der Shimmy leichter als 
der Walzer zu erlernen sei. Der Unsinn 
ist, dass man glaubt, der Wert der Kunst 
hänge von der Schwierigkeit des Erlernens 
ab. Kunst kann nicht erlernt werden. Kunst 
ist sehr einfach. Kunst ist so einfach wie 
das Leben. Kunst lebt in ihren organischen 
Gesetzen wie das Leben in seinen. Schwierig 
keiten entstehen nur dadurch, dass man sie 
künstlich verursacht. Dass man willkürlich 
in das Unwillkürliche eingreift. Dass man 
das Unmittelbare mittelbar macht. Die 
Kunst greift das Leben. Das Leben begreift 
die Kunst: denn immer mehr Menschen 
beginnen, das Hören zu hören, das Sehen 
zu sehen, das Bewegen zu bewegen. 
Menschen bewegen sich. 
Der Shimmy tanzt über verblühte Kulturen 
Herwarth Waiden 
Der Mietvertrag 
Theatralische Synthese 
F. T. Marinetti 
Das Schlafzimmer des Herrn Paul Dami. 
Durch das Halbdunkel sieht man ein weisses 
Bett. Paul Dami liegt in den letzten Zügen. 
Der Freund tritt ein und wendet sich 
zum Dienstmädchen: Paul liegt im Sterben? 
Ist gar keine Hoffnung? 
Das Dienstmädchen: Kaum ein 
Schimmer von Hoffnung. Die Kugel ist 
mitten durchs Herz gegangen. 
Der Freund: Unbegreiflich! Sich wegen 
dieser Frau das Leben zu nehmen. 
Das Dienstmädchen: Aber nein! 
Wegen der Wohnung hat er sich umge 
bracht. Ich werde Ihnen das Rätsel er 
klären. Sie wissen, dass Herr Dami wahn 
sinnig in diese Wohnung verliebt ist. Vor 
einiger Zeit bat er den Wirt, er möge ihm 
gestatten, ein Fenster zu öffnen, das nach 
der Strasse hinausgeht. Er wollte von da 
aus den grossen Festzug sehen. Und dieser 
Idiot von Wirt hats ihm nicht erlaubt. Zu 
fällig erfuhr Herr Dami vor drei Tagen, 
dass der Wirt mit einem neuen Mieter ver 
handelt. Der Gedanke, dass er diese ange- 
betete und vergötterte Wohnung verlieren 
könne, hat ihn vor Schmerz rasend gemacht. 
Da griff er zum Revolver und schoss sich 
eine Kugel in die Brust. 
Paul Dami spricht im Fieber: Feuer! Es 
brennt! Die Wohnung brennt! Ruft die 
Feuerwehr! (Er versinkt wieder in tiefen 
Schlaf.) 
Der Arzt tritt ein, hinter ihm eine Dame, 
blond, schwarz gekleidet, sehr elegant. Sie 
nähert sich dem Bett des Sterbenden. Ihr 
Gesicht ist dem Publikum zugewendet. 
Der Freund (zum Arzt): Ist hier gar 
nicht zu helfen? 
Der Arzt (ernst und feierlich): Gar nicht. 
Wenn ein Herr in eine Wohnung tritt, — 
der Fall ist schwer, aber nicht ohne Hoff 
nung auf Heilung. Tritt jedoch die Wohnung 
in den Herrn, dann gibt es keine Hoffnung 
mehr. 
ln diesem Augenblick begibt sich die Dame 
auf die andere Seite des Bettes, wobei sie 
dem Publikum den Rücken zuwendet. Man 
sieht auf ihrem Rücken ein Plakat, das die 
Aufschrift trägt: Zu vermieten 
[Vorhang 
Jetzt kommen sie 
Drama der Gegenstände 
F. T. Marinetti 
Ein Salon. Brennender Kronleuchter. Hinten, 
links, eine offene Tür nach dem Garten. 
An der linken Seitenwand ein grosser vier
	        

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