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Club Dada

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Bibliografische Daten

fullscreen: Club Dada

Monografie

Titel:
Club Dada
Untertitel:
Prospekt des Verlages freie Strasse
Umfang:
15 S.
Sammlung:
Akzidenz
Dokumenttyp:
Monografie
Signatur:
DADA V:37
Persistenter Identifier:
27604
Erscheinungsort:
[Berlin]
Zürich
Erscheinungsjahr:
1918.[06]
Ausgabenbezeichnung:
[Electronic ed.]
Dimensionen (Quelle):
26,6 x 19,4 cm
Sprache:
Deutsch

Kapitel

Titel:
Doktor Billig am Ende : Fragment
Sammlung:
Akzidenz
Dokumenttyp:
Monografie
Strukturtyp:
Kapitel
Autor:
Huelsenbeck, Richard

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Club Dada
  • Titelseite
  • Vorsatz
  • Vorwort zur Geschichte der Zeit
  • Amerikanische Parade
  • Doktor Billig am Ende : Fragment
  • Der Sprung aus der Welt
  • Werbung

Volltext

iS 
fluchte: Dies Weib war die Konzentration 
aller fabelhaften Erlebnisse, die Verwirkli 
chung aller Sehnsüchte des ruhelosen Bür 
gers. Margot lächelte. Sie nahm Takahaschi 
mit starken Armen auf und setzte ihn auf 
ein Pferd. „Kommen Sie, Billig, ich will 
Ihnen andere Pferde zeigen.“ Auf einem ab 
gegrenzten Rasenplatz wurden Pferde von 
kleinen Burschen herumgeführt. „Sehen Sie, 
Billig — sie sagte nicht etwa ah, que c’est 
joli! — sagte Margot mit ihrer sehr tiefen 
und sonoren Stimme, „ich komme hier nur 
hin, um Pferde zu sehen — das Wetten lang 
weilt mich. Nach Schweiß und Angst im 
besten Falle einige Hundert Mark gewin 
nen, ist ein Vergnügen für Plebejer.“ Cal- 
iius drückte sich herum, um sich bemerk 
bar zu machen, Margot sprach aber weiter, 
ohne ihn anzusehen. „Sie mögen es mir 
glauben oder nicht — ich liebe nur Pferde 
und Bücher. Pferd erinnert mich an Flucht, 
siebzehntes Jahrhundert, Eleganz jeder Art. 
O — sehen Sie diese Muskeln — ich sah 
einen Boxkampf im Cirque in Paris — ich 
liebe diese Boxkämpfe, wenn das Blut fließt 
— die Plätze sind außerordentlich teuer, 
wie Sie wissen, und man ist ganz unter sich 
aber, mon dieu, ein Pferd ist ein ruhiges, 
erhabenes Schauspiel, ein vollendetes Kunst 
werk, ein exzellenter Genuß.“ Callius räus- 
)erte sich: im Moment wurde Anny vor- 
pgjeführt. Takahaschi lief mit ^krummen 
Tn40^t®h^. ( CNoch das ®tf 
Emu Anhy ;^pSj|l 
tlliüs JffanzU bedeutsam/ - ;,VOira;“ sagte 
Margot, die jemand in der Menge bemerkt 
hatte. In dem Gewimmel sah man die brei 
ten, enttäuschten Gesichter der Bürger 
frauen, die .„sich auch einmal ein Vergnü 
gen geleistet hatten“ — aber während der 
ganzen Zeit den Gedanken an den Eintritts 
preis nicht loswerden konnten. Die Gestalt 
des Schiebers in allen Variationen — der Ge 
heimpolizist — auf hundert Meter erkenn 
bar — mit dem forciert protestantischen 
Rentiergesidit, mit dem ungewickelten Re 
genschirm. Der Sohn des Volksschullehrers, 
der Gelegenheit hatte, in Offiziers uniform 
seine Kriegskreuze spazieren zu führen. — 
Billig sah betäubt in dem weiten Wirrwarr 
den Hut Margots verschwinden. „Mein 
Gott,“ sagte er sich, „was soll ich hier ohne 
sie?“ Callius sah Billigs Blick auf die 
Menge. Einer jener Flachköpfe, die aus der 
geringsten Gefühlsäußerung Worte machen 
können, sagte er: „Es ist erstaunlich, diese 
Kriegsexistenzen — wer das beschreiben 
könnte; die bekannten Bedingungen der Ge 
sellschaft sind aufgehoben, die Bestie tri 
umphiert.“ „Sie schreiben ja wohl,“ sagte 
Billig aus Höflichkeit, fortwährend mit Mar 
got beschäftigt, von der er zeitweise einen 
weißen Schimmer sah. „Oh, Sie belieben 
zu scherzen, mein Lieber,“ sagte Callius, 
„ich dachte, Talent zu haben — aber wenn 
man Gelegenheit hatte, unsere Großen zu 
lesen und zu verstehen. Wirklich — was 
meinen Sie?“ Billig wurde unruhiger und 
unruhiger. „Sagen Sie doch nur, Callius 
— wer ist diese außerordentliche Frau?“ 
Callius begann von einer Liebschaft zu re 
nommieren, er habe mit ihr ein halbes Jahr 
in der Schweiz gelebt — er sprach sogar 
von ihren Schenkeln, indem er mit der Pose 
eines internationalen Wüstlings durch die 
Zähne pfiff. „Wo haben Sie sie getroffen?“ 
„Sie spielte in einem Variete — nannte sich 
Bodin — Melitta Bodin — ach, sie hat ein 
seltsames Schicksal gehabt -r- ich würde es 
Ihnen gern erzählen, wenn nicht die Pflich 
ten der Diskretion — Sie können sich den 
ken, daß man einer Frau gegenüber, die sich 
einem ganz hingegeben hat, seine Verpflich 
tungen hat.“ Billig schüttelte sich vor Ekel, 
er sah, daß seine Glacehandschuhe geplatzt 
waren, und riß si^nwa über die ganze Hand 
eavajti 
CTofs^zTÜ" Ifetilflihrie eil 
xvm qeognifiqe eines[ c^tjiaue^s^ gef^tme, 
scnwarze wogen mit Hüten, Schirmen^ 
dumpfem' Geschrei stießen nach vorn — 
jetzt fiel ein Wind zwischen die Bäume, so 
daß die Zweige tief niedergebogen wurden 
und an dem Buffet die weißen Decken flat 
terten. Die Schelle schlug wieder an, dies 
mal kurz, bedeutungsvoll. „Start!“ sagte 
Callius, „jetzt noch zehn Minuten, und sie 
werden Anny laufen sehen.“ Er zog Billig 
in eine Ecke und wurde sentimental. „Hö 
ren Sie,“ .sagte er, „an diesem Pferd hängt 
meine Existenz und die Existenz meiner 
Familie. Ich beschwöre Sie — wetten Sie 
dreimal Hundert Sieg auf Anny — Sie ma 
chen ein gutes Geschäft und einem Freund 
helfen Sie aus einer Verlegenheit. Da Billig 
sich keine Mühe gab, aufmerksam zu sein 
und mit langem Hals nach Margot aussah, 
fuhr er fort: „Mein Gott — morden Sie 
mich nicht — haben Sie einen Augenblick 
Sinn für ein menschliches Schicksal.“
	        

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