Full text: Gesellschaft, Künstler und Kommunismus

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Gesellschaft, Künstler und 
Kommunismus 
I. Die Beziehungen zwischen Gesellschaft 
und Künstler. 
jegliche Kunstproduktion ist das Spiegelbild ihres Publikums 
oder umgekehrt. Die Kunst wird in verschiedenen Strömungen, 
Arten und Formen auftreten, analog den sozialen Schichtungen und 
Gegensätzen der Gesellschaft. Diese Spiegelung wird allerdings 
in Literatur, Malerei, Musik etc. unterschiedlich sein, je nachdem 
wie stark und eindeutig eine Verbindung mit den realen Existenz 
bedingungen des Publikums besteht. Am intensivsten scheint sie 
bei der literarischen Kunstgattung. 
Der Wert der gesamten Kunsterzeugung einer Epoche wird 
bestimmt durch das (vorhandene oder fehlende) Verhältnis zwischen 
dem wesentlichen Bestandteil der Gesellschaft, dem Proletariat, und 
den Schöpfern ihrer Kunstprodukte. 
Dies Verhältnis ist davon abhängig, wie weit die Arbeiter sich 
mit künstlerischen Erzeugnissen befassen oder die Künstler sich mit 
der Welt des Arbeiters. Wenn man heute von solchen Beziehungen, 
solcher „Volkskunst“ überhaupt sprechen kann, so nur in Bezug 
auf die von Kunstverständigen als minderwertige Mache bezeicb- 
neten Werke, vor allem aber auf den vielerlei „Schund und 
Schmutz“, der in Kolportagehandlungen, Torfahrten, kleinen 
Schreibwarengeschäften, Ramschläden etc. vertrieben wird. Ich 
meine die vielen Erscheinungen in Lieferungen mit buntem Bild 
umschlag, die Postkartenserien, die Abenteurer-, Detektiv-, Krimi 
nal- und Sittenromane, die Engelhom-, Kronen- und Ullsteinbücher, 
kurz alles, was dem Kalturkenner verpönt ist. Diese Erzeugnisse 
sind ganz und gar auf breite Volksschichten eingestellt. Versuche, 
sie mit „guter Literatur“ in ähnlicher Aufmachung (z. B. „Welt 
literatur“, der „Kleine Roman“, „Inselbücherei“), durch „Künstler 
postkarten“ zu unterdrücken, sind vergebens. Uebrigens könnten 
sich unsere Künstler von Namen an diesen minderwertigen Erzeug 
nissen in mancherlei Hinsicht bilden. Sie könnten ersehen, mit wie 
einfachen Mitteln sich das Interesse, die Aufmerksamkeit einfacher 
Menschen erwerben läßt, wie sinnlos es ist, diesen Menschen die
	        

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