Full text: Der Gegner (3(1922),1)

15 
bewaffnet mit dem Bluff und der Geschäftstüchtigkeit des Yankees. Er ist der 
schreckliche vitale Geist der Lynchjustiz, der Mob-Plünderungen, der dunklen 
Vorstadtkinos, der Streikbrecherinstitute, der staatlichen Polizei, der Meuchel 
mörder bei Wahlkampagnen, der Kathederkuppler, der Hearst-Hetzer, der Trusts 
und Wall-Street. Von dieser Art ist Chrisfield, ein Mann, der einen kleinen Haß 
mit sich wie ein Taschenmesser herumträgt und nie die Dinge analysierend an 
sieht, der aber durch seinen Haß dazu geführt wird, einen Kameraden, einen 
seiner eigenen Art, der daliegt, hilflos und verwundet, zu ermorden. 
Im Gegensatz zu ihm ist Andrews geschildert, der Musiker und gemeiner 
Soldat, der zutiefst die Militärmaschine haßt, welche die Menschheit zerstört. Er 
verabscheut die Kriecherei und alle jene niederen Dinge, die man machen muß, 
um vorwärtszukommen. Sein Haß ist zugleich sein persönlicher und eigener 
Haß und der Haß einer ganzen Welt unglücklicher Menschen. Er fühlt sogar Mit 
leid mit den Fusellis und Chrisfields; in ihm sind neue soziale Ideen, doch sie 
sind bis jetzt wie der Klassenkampf in diesem schnell in immer stärkere Gärung 
geratenen Land noch nicht klar ausgesprochen. 
Auch Andrews ist ein amerikanischer Typ — eine kleine Welle auf dem 
triumphierenden Meere der Chrisfields. Der Autor verfolgt seinen Gang un 
barmherzig, doch mit Liebe, bis zu seinem harten Ende im Heere. Wir emp 
finden ihn dennoch nicht so, wie wir Fuselli und Chrisfield empfinden, wir nehmen 
nicht Abschied von ihm mit einem traurigen Seufzer, er ist nicht gebrochen und 
tot für die feineren Bewegungen und Gesetze des Lebens wie sie; er ist der 
amerikanische Typ, der zu neuer Hoffnung uns das Recht gibt. 
Claude Mckay. 
Wir veröffentlichen nachstehend einen kurzen Abschnitt aus dem Buche „Three 
Soldiers“ (Drei Soldaten): 
Fuselli saß auf dem einen Ende seines Bettkastens. Er hatte sich 
gerade rasiert. Es war an einem Sonntagmorgen und er hoffte auf 
einen freien Nachmittag. Er rieh sein Gesicht noch einmal mit dem 
Handtuch ab und stand auf. Draußen fiel der Regen in großen silbrigen 
Strömen, so daß das Geräusch auf dem Teerpapier der Barackendächer 
fast betäubend war. \ 
Fuselli bemerkte an dem andern Ende der Bettreihe eine Gruppe 
Leute, die alle dasselbe anzustarren schienen. Er streifte seine Aermel 
runter, nahm den Waffenrock über den einen Arm und ging die Reihe 
hinunter, um !zu schauen, was los ist. Durch das Geräusch des nieder 
knatternden Regens hindurch hörte er eine schwache Stimme sagen: 
„Ich kann nicht, Sergeant, ich bin krank. Ich werde nicht auf 
stehen.“ 
„Der Junge ist verrückt“, sagte jemand neben Fuselli. 
„Mach daß du aufstehst, sofort!“ brüllte der Sergeant. Es war 
ein großer Mann mit schwarzem Haar, der aussah wie ein Holzfäller. 
Er beugte sich über den Bettkasten. In dem Kasten au! einem Bündel
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.