Full text: Der Ararat (1 (1920), 7)

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Dadaismus oder Klassizismus? 
Es gibt destruktive Zeiten, Zeiten des Abbruchs, der Platzschaffung für Kommendes. Ihre 
wahre Physiognomie ist schwer zu fassen, denn die Linien sind durch Leidenschaften und Er- 
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schütterungen verzerrt. 
Die Mächte der alten absterbenden Kultur erstarren zu Formeln, die mitten in brandenden 
unterhöhlenden Wogen fremd dastehen, bis sie sinken und 
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christlicher Zeitrechnung geschah solches. In unserer 
Zeit wieder 
In den ersten Jahrhunderten 
Kampf und Krampf stürmt 
soll. Entschieden nur: die 
Nihilismus 
Eher 
des Nihilismus. Denn 
Nihilismus 
nun theoretisch, ethisch 
Neues gegen Altes. Ungewiß, was der Sieg des Neuen bring 
Verneinung und Sinnloserklärung des Alten, Alle jungen schöpferischen Kräfte haben sich 
einigt zum Werk der — — — Kann man hier noch 
Zerstörung des Alten 
aber auch in der Hoffnung 
auf den Aufbau eines 
neuen Lebens, einer neuen 
Kunst. Das Alte vernein 
nen, heißt ihnen das Neue 
dessen Grundriß sie 
nur andeuten, dessen Ar* 
chitektur sie nur ahnen 
können — bejahen,- aber 
es gibt auch solche unter 
uns, die nicht mehr be* 
jähen, die über die Sinn* 
loserklärung des Alten 
hinaus zur Sinnloserklä 
rung des gesamten Lebens 
fortschreiten: Die Dada* 
isten. 
Dada: Lautformung 
gedankenloser Unbe* 
wußtheit, phonetisches 
Symbol der Sinnlosigkeit. 
Karika 
sei er 
oder politisch 
doch noch an 
seiner Negatic 
glaubt 
en Sinn 
Dada* 
istischer Nihilismus ist 
aber auch Selbstvernei* 
nung, Selbstverhöhnung. 
Er negiert alle Erschein 
nungen und Formen des 
Lebens, ohne sich selbst 
auszuschließen. Seine 
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Verneinung ist nicht pa* 
thetisch <wie die des philo* 
sophischen Nihilismus) 
sondern grimassierend 
verulkend, übertreibend 
Kurt Schwitters 
Holzschnitt 
Man hat von einem 
dadaistischen Legaten, der 
in München über Dadaismus sprach, Aufschluß über Zweck und Wesen des Dadaismus verlangt. 
Dieser Wunsch war unbillig und wurde daher auch nicht befriedigt. Der Dadaismus würde sich 
selbst aüfheben, wenn er sich „erklären" könnte. 
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Man lasse sich durch sein Manifest: „Was ist der Dadaismus und was will er in Deutschland?" 
nicht täuschen. Es gibt sich politisch. Seine ersten drei Thesen wiederholen ganz ernsthaft For* 
derungen kommunistischer Ideologen. Dann schlägt es in Parodie und Ulk um. Man höre: 
Der Zentralrat tritt ein für: 
a) die öffentliche tägliche Speisung aller schöpferischen und geistigen Menschen auf dem Pots* 
damer Platz (Berlin), 
b> die Verpflichtung der Geistlichen und Lehrer auf die dadaistischen Glaubenssätze, 
c> den brutalen Kampf gegen alle Richtungen sogenannter geistiger Arbeiter (Hitler, Adler), 
gegen deren versteckte Bürgerlichkeit und gegen den Expressionismus und die nachklassische 
Bildung, wie sie vom Sturm 
5°
	        

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