Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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Männlidie Figur. 1906. Größe ca. 50 cm 
Derain, Dufresne. Zwei Temperamente. 
Zwei Charaktere. Zwei Menschen, die ihre 
Ebenbilder in allen Ländern, die hier vertreten 
sind, haben. Ohne im entferntesten daran zu 
denken, sie nachzuahmen, haben Menschen, 
Künstler aller Länder einem dem Werke jener 
beiden ähnlichen Ausdruck gefunden. Die 
menschlichen Familien respektieren weder die 
Landesgrenzen, noch die Grenzen der Rassen. 
Das Leben — wir sind geboren, um es zu lieben 
und zu verteidigen — dieses Leben zwingt uns, 
wer immer wir auch seien, zur universellen Sym 
pathie. Wir unterscheiden uns nur durch die 
Form, die wir dem Ausdruck unserer Liebe zu 
den Dingen und Wesen geben. Die Regie* 
rungen, alle gleicherweise Urheber der blutigen 
Mißverständnisse, sind unendlich schwächer als 
die Regierten: das ist die einzige Hoffnung, die 
uns bleibt. — 
Setzen wir unseren Rundgang fort. Utrillo, 
verspäteter Impressionist, kränklicher Erbe, ein 
naturwidriges Überbleibsel einer Phalanx mus 
kelstarker Riesen, die während des Gewitter 
sturmes gearbeitet haben. Utrillo selbst malt 
in seiner Krankenstube. Die anderen, seine 
herrlichen Vorgänger, nahmen Teil an den wilden 
Freuden der Natur. Er dagegen hat Angst. 
Die Wirklichkeit halluziniert ihn Utrillo, großer 
Maler der Wehleidigkeit. 
Vuillard, wie ältlich er schon ist . . . Und 
Laprade... 
Marie Laurencin: all ihr Geheimnis und 
all ihre Grazie sind in den Worten, mit denen 
sie ihr Hundeporträt versehen hat: »J'aime les 
chiens, celui*ci est rose.« Er ist rosa, weil es 
ihr gefällt, daß es rosa sei. Und dies erklärt 
besser die weibliche Psychologie als alle Foli 
anten unserer berühmten Blaustrümpfe.
	        

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