Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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Büste Helene Ritsdier. 1918. <Terrakotta> 
es mit viel mehr Strenge zu sein,- und, während 
bei den Franzosen die koloristischen Bemühe 
ungen auf die äußerste Feinheit der Nuancen 
hinzielen, bevorzugen die Deutschen kräftige 
Kontraste. Selbst das Mittel der Malerei, das 
man in unseren Ländern weich und sanft wünscht, 
entborgt jenseits des Rheins seine Reflexe dem 
Metall. Handelt es sich hier um eine physio 
logische Eigentümlichkeit, um eine Charakter* 
Wesentlichkeit der Rasse? Wahrscheinlich. Aber 
man muß deshalb die germanische Zivili 
sation im Namen unserer lateinischen Zivili 
sation verurteilen. Denn — wiederhole ich 
wenn man von diesen rein materiellen Unter* 
schieden absieht, erscheinen die zwei mensch* 
liehen Typen, welche sich im Westeuropa in die 
Zonen des kulturellen Einflusses teilen, zutiefst 
ähnlich,- beide sind derselben Entwicklung unter* 
worfen. 
Morgner ist ein deutscher Rouault, aber ge 
waltsamer,- man wäre versucht, ihm Vulgarität 
vorzuwerfen. Harta, ein starker Porträtist. 
Tank, ein Cezannist, dem man wünschte, er 
möchte in seinen etwas summarischen Land* 
schäften besser Volumen und Licht verteilen. 
Curten versucht, ohne uns dabei zu mißfallen, 
Matisse gleichzukommen. Eine der entzückend* 
sten Offenbarung des Salons ist für mich der 
Aquarellist Hartmann, ein Bescheidener, der 
Kraft besitzt, einen geschärften Sinn für Kom* 
Position und die sehr seltenen Eigenschaften 
eines Koloristen.
	        
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