Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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BELGIEN 
La gamme cfamoiir. Eine Ballet-Pantomime 
von James Ensor. 
Man spricht davon, daß dieses Werk, an dem 
der Meister mit besonderer Liebe hängt, noch 
in dieser Saison in Paris aufgeführt wird. Von 
Ensor stammt das Szenarium, die Musik, die 
Entwürfe zu den Dekorationen und den Ko 
stümen. Er hat seinerzeit im Kursaal von 
Ostende einige musikalische Fragmente daraus 
auf dem Klavier vorgetragen — zum Entzücken 
seiner Zuhörer. Die Musik ist ein wenig dis 
kret und weichlich, aber voll von Feinheiten und 
melancholischer Freude, sehr »fokloristisch« mit 
ihren Erinnerungen an alte Walzer und Volks^ 
tänzen und sehr fantastisch, wie alles von James 
Ensor. Man kennt den Stoff des Szenarismus: 
TSCHECHO 
Prager Ausstellungen 
Im Januar fand im Repräsentationshause eine 
Ausstellung der Künstlergenossenschaft <»Um= 
eleckä beseda«) statt,- eine Anzahl Bilder junger 
aber nicht allzu radikaler Maler <Rabas, Jaros, 
Moravec, Holan, Riedl, Kerhart, Wagner usw.>. 
Am interessantesten die Kollektion des P. Ko- 
tiks, eines an Chagall erinnernden Primitivsten 
revolutionärerGesinnungundgereiftenKönnens, 
der besonders in seinen Aquarellen Vorzügliches 
leistet. 
Im Februar wurde im Künstlerhause <RudoL 
finurn) eine große von deutschen Gästen durchs 
setzte Ausstellung der Unentwegten eröffnet,- 
gewissermaßen ein Wintersalon der Kubisten 
und Expressionisten. Den ersten Platz nahm 
Paul Klee ein. Emmy Roeder war leider 
nur mit einer Arbeit, einer ausgezeichneten 
Statue, vertreten. Den Mitgliedern der Dresdner 
Sezession <Dix, Heckrot, Hoffmann, Otto Lange) 
war ein eigener Saal zugewiesen. Geschlossen 
traten auch die deutschen Künstler Prags <Justitz, 
Egon Adler, G. Karsusw) auf. Die tschechische 
Kunst ist hauptsächlich durch die eigene Gruppe 
der »Unentwegten« repräsentiert, die auch den 
Kern der Ausstellung bildet. Jan Zrzavy 
wie die kleine Miamia, die in einem Spielzeug 
laden lebt, Fifrelin liebt und von ihm wieder 
geliebt wird,- aber die bösen Eltern widersetzen 
sich der jugendlichen Zärtlichkeit,- die Marionetten 
und Puppen beschließen, die beiden betrübten 
Liebenden in ihren Schutz zu nehmen. Sie über^ 
rumpeln die unempfindlichen Eltern und sperren 
sie in eine große Spielzeugschachtel ein, bis sie 
ihnen schwören, von dem Widerstand gegen die 
Ehe der beiden glücklichen Kinder abzulassen. 
Und das ganze endet mit fröhlicher Hochzeit 
und lustigen Tänzen. Das vollständige Szena 
rium kann man in den »Ecrits des James Ensor« 
lesen, die soeben von der »Selection« in Brüssel 
herausgegeben worden sind. 
-SLOWAKEI 
überrascht immervon neuem. Von seinemreichen 
Genius können wir erwarten, daß er auch in der 
Landschaft seinen Figuralkompositionen Eben= 
bürtiges schaffen wird. Rudolf Kremlicka 
geht von Ingres und den älteren Klassizisten 
aus, aber er arbeitet sich sicher zu einem mo 
dernen Ausdruck durch. Sein Bild »Vor dem 
Spiegel« ist vielleicht die reifste Leistung in der 
ganzen Ausstellung. Der Bildhauer OttoGutt= 
freun d hat drei sehr interessante farbige Skulp 
turen ausgestellt. Vlatislav Hofmann hat 
unter anderem eine Suite kolorierter Linoleum 
schnitte, Heilige aus den äthiopischen Psalm^ 
büchern darstellend, eingeschickt. <Die Lino 
leumschnitte sind im Verlag St. Jilovska, Prag, 
Stepanskä 41, erschienen. Preis 100 Mk. — 
Ferner erschienen im gleichen Verlage von 
VI. Hofmann die Mappe »Köpfe« [Smetana, 
Dvorak, Manes, Brezina, Dostojewski], Preis 
300 Mk.) Vaclav Späla ist sich treu ge= 
blieben. Josef Capek ist in seiner Entwicklung 
eher zurück- als vorwärtsgegangen/ seine neuen 
Bilder nähern sich dem französischen Kubisten 
Metzinger, Gleizes und vor allem Juan Gris,- 
dies bedeutet eine Abweichung von dem Wege, 
den die junge tschechische Kunst mit Zrzavy an
	        
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