Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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der Spitze verfolgt. Emill Filla ist ein ortho 
doxer Picassist, Otto Marvanek ein angenehm 
mer, anspruchsvoller Künstler, besonders als 
Landschafter befähigt. Zu der allerjüngsten 
Generation gehören Z. Ryler, J. Juno und J. 
Krika,- von ihren Arbeiten wäre einstweilen nur 
Negatives zu sagen. Wichtig sind die Arbeiten 
der Architekten Feuerstein und Machol, 
vielleicht überhaupt die Höhepunkte der Aus 
stellung. Von dem verstorbenen Bogumil 
Kubista, den ersten und bedeutendsten Ver* 
treter der neuen tschechischen Kunst, finden wir 
eine freie Wiederholung des Poussin*Gemäldes 
»Orpheus und Eurydike«. 
Im Verlag »Goldene Ähre« haben im Ja* 
nuar J. Havliceck, L. Süß und A. Wachs 
mann, im Februar A. Hoffmeister, K. Feige, 
K. Vanek aus dem »Devetsil« ausgestellt. Die 
Kollektionen von wenigen Bildern haben in der 
reaktionären Kritik eine große Erregung her* 
vorgerufen. Artus Cernik. 
UNGARN 
Die jüngste Kunstgeneration Ungarns 
Nach dem Sturze der Räteregierung flammten 
die Nationalphrasen wieder auf, kam der christ* 
liehe Kurs, der jede Regung gegen die Tradi 
tionen mit dem Worte brandmarkt: Bolschewist 
mus. Es wurden die »Alten« aus dem Moder 
der 80 er Jahre ausgegraben. Die »Bürger* 
künstler« arbeiten nicht,- ihnen fehlt zum Schaffen 
die sogenannte Ruhe. Die heute in dem graut 
samen Chaos der Schieber, Schwindler und 
besseren Zukunft Suchenden arbeiten, sind Leute 
der Bewegung: die Jungen. 
Während des Krieges abgesperrt von aust 
ländischen Einflüssen, fingen sie an, selbständig 
Probleme aufzustellen und zu lösen. Sie waren 
voll Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen 
Verhältnissen und ihre ersten Bewegungsgefühle 
fanden in der Kunst Ableiter. Ihr Kunstblatt 
»Tett« wurde von der Regierung nach einigen 
Nummern eingestellt, aber nach kurzer Pause 
ist es wieder unter dem Titel »Ma« erschienen. 
Sie haben als ihr Ziel ausgesteckt: links fahren! 
Sie haben erkannt: ihre revolutionäre Welt® 
anschauung kann auch in der Kunst nur Revo 
lution bringen und zwar nicht nur in den Formen. 
Diese Gruppe lebt und arbeitet heute in der 
Verbannung. Im November 1920 fand in 
Wien die letzte Ausstellung von Bela Uitz 
statt. Mit seinen letzten Werken ist er über 
jeden Klassizismus hinaus gekommen, er hat 
sich von allen Themaaufarbeiten und sonstigen 
Theorien losgesagt und ist einfacher Interpret 
seiner einwirkenden Epoche geworden, welche 
in ihm mit allen ihren extremen Ausschwin* 
gungen lebt. Das ist seine Kunst: die Reaktion 
der Epoche in ihrer anarchistischen Dekompo 
sition. 
Medgyes, Tihanyi, Schadl, Lamperth, Kmetty, 
Galimberti, Valeria Denest, brachten mit ihren 
Ausstellungen eher expressionistische Formen 
als neuen Inhalt der Kunst. Bortnyik nahm 
seinen Ausgangspunkt von der Synthese der 
Primitiven. Seine Probleme: Aktivität der 
Färb formen und konzentrische Komposition. 
Mattis Teutsch hat keine Probleme,- er strömt 
in farbigen Abstraktionen seine femininen Ge* 
fühle aus,- er plant in Wien und Berlin seine 
letzten Werke auszustellen. 
Ludwig Kudläk. 
Bela Bartök 
ist schon weißhaarig,- sein Rhythmus schlägt 
um eine Nuance zu heftig. Begann er im 
Einflüsse Debussys, so verdient er nun den 
Namen eines magyarischen Strawinsky. Schon 
seine frühesten Werke zeigen einen für klas* 
sisch gebildete Ohren verletzenden Hang zum 
Kakophonen,- selbst in den von ihm gesam* 
melten und bearbeiteten Volkstänzen <die 
Volksmusik übte den denkbar stärksten Ein* 
fluß auf ihn!) spukt schon diese Dissonanzistik. 
Dann, in der Klavier*Suite Opus 14 beginnt 
er mit einem ganz zerschmetternden Rhythmus. 
Die Tonalität wird gesprengt von dieser vehe* 
menten, bis an die äußerste Grenze des Aus* 
drückbaren geschleuderten Linie. Plötzlich, mitten
	        
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