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der Spitze verfolgt. Emill Filla ist ein ortho
doxer Picassist, Otto Marvanek ein angenehm
mer, anspruchsvoller Künstler, besonders als
Landschafter befähigt. Zu der allerjüngsten
Generation gehören Z. Ryler, J. Juno und J.
Krika,- von ihren Arbeiten wäre einstweilen nur
Negatives zu sagen. Wichtig sind die Arbeiten
der Architekten Feuerstein und Machol,
vielleicht überhaupt die Höhepunkte der Aus
stellung. Von dem verstorbenen Bogumil
Kubista, den ersten und bedeutendsten Ver*
treter der neuen tschechischen Kunst, finden wir
eine freie Wiederholung des Poussin*Gemäldes
»Orpheus und Eurydike«.
Im Verlag »Goldene Ähre« haben im Ja*
nuar J. Havliceck, L. Süß und A. Wachs
mann, im Februar A. Hoffmeister, K. Feige,
K. Vanek aus dem »Devetsil« ausgestellt. Die
Kollektionen von wenigen Bildern haben in der
reaktionären Kritik eine große Erregung her*
vorgerufen. Artus Cernik.
UNGARN
Die jüngste Kunstgeneration Ungarns
Nach dem Sturze der Räteregierung flammten
die Nationalphrasen wieder auf, kam der christ*
liehe Kurs, der jede Regung gegen die Tradi
tionen mit dem Worte brandmarkt: Bolschewist
mus. Es wurden die »Alten« aus dem Moder
der 80 er Jahre ausgegraben. Die »Bürger*
künstler« arbeiten nicht,- ihnen fehlt zum Schaffen
die sogenannte Ruhe. Die heute in dem graut
samen Chaos der Schieber, Schwindler und
besseren Zukunft Suchenden arbeiten, sind Leute
der Bewegung: die Jungen.
Während des Krieges abgesperrt von aust
ländischen Einflüssen, fingen sie an, selbständig
Probleme aufzustellen und zu lösen. Sie waren
voll Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen
Verhältnissen und ihre ersten Bewegungsgefühle
fanden in der Kunst Ableiter. Ihr Kunstblatt
»Tett« wurde von der Regierung nach einigen
Nummern eingestellt, aber nach kurzer Pause
ist es wieder unter dem Titel »Ma« erschienen.
Sie haben als ihr Ziel ausgesteckt: links fahren!
Sie haben erkannt: ihre revolutionäre Welt®
anschauung kann auch in der Kunst nur Revo
lution bringen und zwar nicht nur in den Formen.
Diese Gruppe lebt und arbeitet heute in der
Verbannung. Im November 1920 fand in
Wien die letzte Ausstellung von Bela Uitz
statt. Mit seinen letzten Werken ist er über
jeden Klassizismus hinaus gekommen, er hat
sich von allen Themaaufarbeiten und sonstigen
Theorien losgesagt und ist einfacher Interpret
seiner einwirkenden Epoche geworden, welche
in ihm mit allen ihren extremen Ausschwin*
gungen lebt. Das ist seine Kunst: die Reaktion
der Epoche in ihrer anarchistischen Dekompo
sition.
Medgyes, Tihanyi, Schadl, Lamperth, Kmetty,
Galimberti, Valeria Denest, brachten mit ihren
Ausstellungen eher expressionistische Formen
als neuen Inhalt der Kunst. Bortnyik nahm
seinen Ausgangspunkt von der Synthese der
Primitiven. Seine Probleme: Aktivität der
Färb formen und konzentrische Komposition.
Mattis Teutsch hat keine Probleme,- er strömt
in farbigen Abstraktionen seine femininen Ge*
fühle aus,- er plant in Wien und Berlin seine
letzten Werke auszustellen.
Ludwig Kudläk.
Bela Bartök
ist schon weißhaarig,- sein Rhythmus schlägt
um eine Nuance zu heftig. Begann er im
Einflüsse Debussys, so verdient er nun den
Namen eines magyarischen Strawinsky. Schon
seine frühesten Werke zeigen einen für klas*
sisch gebildete Ohren verletzenden Hang zum
Kakophonen,- selbst in den von ihm gesam*
melten und bearbeiteten Volkstänzen <die
Volksmusik übte den denkbar stärksten Ein*
fluß auf ihn!) spukt schon diese Dissonanzistik.
Dann, in der Klavier*Suite Opus 14 beginnt
er mit einem ganz zerschmetternden Rhythmus.
Die Tonalität wird gesprengt von dieser vehe*
menten, bis an die äußerste Grenze des Aus*
drückbaren geschleuderten Linie. Plötzlich, mitten