Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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aber: der Publikus schleicht scheu wedelnd um Kunst 
werke herum, mit Angst, seine Meinung äußern zu sollen. 
Aber nicht hier liegt die Schuld. Die Menge bedarf der 
Führung. Das Beste wäre für sie — im Interesse der 
Kunst — gerade gut genug. Statt dessen sitzen auf Kritiker 
thronen maßlos überhebliche, bornierte »Intellektuelle«. 
Das ist Königsberg. Wann wird der Retter kommen diesem 
Land?! Karl Lemke. 
Breslau. Eröffnung der Galerie Stenzei (vor 
mals Galerie Arnold). Am Sonntag, den 16. Januar, 
wurde in den bisherigen Räumen der Breslauer Zweig 
niederlassung der Galerie Arnold die Galerie Stenzei 
eröffnet und zwar ist die erste Ausstellung dem kürzlich 
an die Breslauer Akademie berufenen Professor Konrad 
von Kardorff gewidmet, die einen geschlossenen künst 
lerisch ernsten Eindruck macht. Ferner sind auch noch 
Einzelwerke von Corinth, Liebermann, Spitzweg, Marc, 
Kirchner, Chagall, Klee, Kandinsky u. a. zu sehen, wäh 
rend in dem der Kunstausstellung angegliederten Graphi 
schen Kabinett, dessen Leitung Frau Helli Landsberger 
übertragen wurde, eine ausgewäslte Sammlung graphischer 
Blätter von Max Slevogt, u. a. das bedeutende Radier 
werk »Die Zauberflöte«, gezeigt wird. Anläßlich der Er 
öffnung hielt der Kunsthistoriker Bernhard Stephan einen 
einführenden Vortrag in die Kunst Konrad von Kardorffs. 
Ungeachtet der Schwierigkeiten im Ausstellungswesen 
beabsichtigt die Galerie Stenzei auch weiterhin wechselnde 
Ausstellungen zu veranstalten. 
Die Berliner Nationalgalerie im Kronprinzen 
palais hat von der Ausstellung junger holländischer Kunst, 
diedie »Kornscheuer« dort veranstaltete,dasBild »Traum« 
von.Lodewigk Schelfhout angekauft. 
In Barcelona folgte auf die Ausstellung »Junger 
französischer Kunst« eine Ausstellung belgischer 
Maler. 
Die»NouvellesGaleriesGeorgesGiroux«in Brüssel 
wird mit einer Ausstellung von Werken O di Ion Redons 
eröffnet werden. 
Das »Gemeentemuseum voor moderne Kunst« 
in Haag, hat im Laufe des Jahres 1920 Werke von Ko 
koschka und Schmidt-Rottluff erworben. 
In Bern mußte der Kunstsalon Wyß, die einzige 
Pflegestätte der modernen Kunst in dieser Stadt, anfangs 
Februar seine Pforten schließen. Die Gründe dafür sind 
in der völligen Interesselosigkeit des Publikums zu suchen. 
Die Sowjetregierung bestätigt den Plan einer Re 
form der Kunstakademien. Diese sollen sich von 
nun an dem Gewerbeleben ihrer Umgebung anpassen. 
Der Unterricht in den Künsten wird einen Utilaritäts- 
charakter tragen und die Schüler werden verpflichtet wer 
den, eine gewisse Zeit hindurch in sämtlichen Gewerbe 
zweigen praktisch zu arbeiten. 
Moderne französische Kunst im Rheinland. 
Der Oberkommissär der Rheinlandskommission plant eine 
Ausstellung moderner französischer Kunst im Rheinland. 
Eine internationale Konferenz der Kornscheu er 
wird voraussichtlich gegen Mitte März in Paris stattfinden 
unter Beteiligung von Deutschland, Holland, Frankreich, 
England, Belgien, Rußland und Polen. Man trägt sich 
mit dem Gedanken eines geistigen Völkerbundes in der 
Kornscheuer, sowie der materiellen Sicherstellung beson 
ders der valutaschwachen Kornscheuern. 
Neue van Gogh - Anekdoten. (Mitgeteilt von 
Pierre Borei im Mercure de France.) Van Gogh hatte 
das Haus, in dem er in Arles wohnte, zum großen Teil 
gelb angestridben/ als man ihn nach den Gründen fragte, 
antwortete er, er habe seinem Wohnsitz die Sonnenfarbe 
gegeben, »weil er wünschte, daß es für jeden das Haus des 
Lichtes sei«. 
Wie Gezanne in seinem Jas de Bouffan in Aix, hatte 
van Gogh in dem Zimmer des Erdgeschoßes, das ihm als 
Atelier diente, die Mauern mit Fresken geschmückt. Seine 
Haushälterin erinnerte sich an die Fresken, die fast alle 
sonnige Landschaften darstellten oder weite Sonnenblumen 
felder und zwei »unwahrscheinliche« Akte. 
Des Wertes seiner Werke bewußt, hatte der Künstler 
einer Nachbarstochter als Heiratsgut vier Bilder geschenkt,- 
diese Gemälde wie andere, die an verschiedene Personen 
in der Stadt verschenkt worden waren, wurden nach dem 
Tode des Künstlers für 50 Frs. das Stück verkauft. 
Octave Mirbeau erwarb sich ein herrliches Blumenbild, 
das van Gogh neben seinem Selbstporträt im Spital in 
Arles gemalt und als Zeichen seiner Dankbarkeit den ihn 
pflegenden Krankenschwestern zum Geschenk gemacht 
hatte.
	        

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