Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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MAX DVOR AK f 
Alfen unerwartet starß am 8. Keßruar cfs. Js. Dr. Max Dvorak, Professor cfer Kunst= 
gescßicßte an der Wiener Universität. Er Batte das 4J. Leßensjaßr nocB nicßt iißerscßritten. 
Sein Verfust Bedeutet eine Katastropße für die europäiscße Kunstgescßicßte. Er war nicßt nur 
Scßüfer Riegfs und WicBBojfs, sondern aucß Meßrer ißres Werkes. Wer wird das ßerrficße, 
nun verwaiste Er Be antreten? Wir wissen keinen zu nennen, der dessen würdig wäre. 
Die üßerragende Bedeutung dieses Gefeßrten, dieses Menscßen Bat sicß voff und ganz nur 
denen erscßließen können, die des Gfückes, seine Scßüfer gewesen zu sein, teifßaftig waren. Er 
Bat nur wenige aßgescßfossene Werke der fesenden Öffentficßkeit üßergeßen. Und aucß diese 
sind - infofge ißrer esoteriscßen Pußfikationsform - nur der EacBweft zugängficß gemacßt 
worden. An größeren Ar Beiten von ißm fiegen vor: „Die Iffuminatoren des ffo Bannes von 
Neumarkt” Cl9ol9, „Das Rätsef der Kunst der Brüder van Eyk” Cl9o49, Beide im JBB. d. 
affß. KBs. erscßienen, ein Kapitelin dem Monumentafwerk „ DerPafazzo Venezia in Rom ” Ct9o99 
und der Separataßdruck aus der „Historiscßen Zeitscßrifit" „Ideafismus und Naturalismus in 
der gotiscßen Skufptur undMaferei” CMüncßen 19189. Zum Nutzen Breiterer Öffentficßkeit 
Bat Dvorak den „Katecßismus der Denkmafpffege” Cjufius Bard 19169 gescßrießen. 
Wir sind üßerzeugt, daß sein Nacßfaß reicß an wertvoffen Inedita ist. Denn Dvorak, der 
die Böcßsten Ansprücße an sicß steifte, konnte sicß nur dann von einem seiner Werke fosfösen, 
wenn er für jedes Wort die voffe wissenscßaftficße Verantwortung zu tragen können gfaußte. In 
letzter Zeit Bat ißn Besonders das stifgescßicßtficße Pßänomen des Manierismus stark ßescßäftigt. 
Seine Besondere Ließe gaft seit Jaßren den Handzeicßnungen Lintoretios. Was immer man 
unter den nacßgefassenen Scßriften an das Ließt der Öffentficßkeit Bringen wird, es wird den 
postßumen Rußm dieses Meisters der kunstßistoriscßen EorscBung vermeßren. 
Von dem Besten alferdings, was Dvorak zu ge Ben Batte, mußten wir für immer Aßscßied 
neßmen: von seiner Tätigkeit afs LeBrer. Seine Vorträge waren seinen Zußörern unvergeßfieße 
Erfeßnisse. Das erstemaf moeßte woßf der stark sfaviseße Akzent des Sprecßers Befremden. 
Aßer Bafdgeriet man so seßr in den Bann dieser üßerwäftigenden Gedankenßaftigkeit, daß man 
an den äußerfießen Unzufängficßkeiten des Vortrags vorßeißörte. Dvorak war kein Spezia fist, 
er üßerß fickte fast alfe Epocßen europäiseßer Kunstentwickfung und er dureßdrang diesen unge= 
Beuren Komplex von Gescßeßnissen und Gestaften mit der ordnenden, klärenden, plastischen 
Kraft seines Geistes. 
Mit Wickßojf und Riegf Bieft er an dem Primat Roms fest und kam dadureß in Opposition 
zu jenen, die die Keimzeffen alfer europäiseßen Stifpßänomen im Orient zu entdecken gfaußen 
müssen. (Die Prinzipien seiner wissenseßafifießen Metßode Bat Dvorak in der Wocßenscßrift 
„Die Geisteswissenscßaften” I. Jßrg. 191394 kurz auseinandergesetzt. Die grundfegende 
„Metßode der Kunstgescßicßte” ISeemann 19131 im Geiste der „ Wiener Scßufe” Bat Hans 
Kietze gescßrießen.9 
Seine seftenen pädagogiseßen Eäßigkeiten entfaftete er vo[Bends in seinen kunstßistoriscßen 
Seminarüßungen, Bei denen er unmitte fBar auf die Entwickfung undDurcßßifdung seiner Scßüfer 
Einflußgewann. Es war ein geradezu künstferiseßer Genuß, Dvorak Bei der L eitung einer dieser 
UBungen ßeoßacßten zu können. Im Böcßsten Maße Besaß er die sokratiseße Gaße der Mäeutik. 
Seine Scßüfer saßen in ißm die oßerste Instanz kunstwissenseßaftfießer Entscßeidung ~ aßer 
diese Autorität des Leßrers, die naße an Vergötterung ßeranreießte, Batte nießts Läßmendes. 
Denn Dvorak war von einer so einfaeßen, gütigen Menscßficßkeit, daß aucß der Scßücßternste 
vor ißm seine Befangenßeit verfor. Alfen Kragenden seßenkte er jederzeit wilfig Geßör> er 
sueßte den Kontakt mit seinen Scßüfern. 
Unnacßsicßtficß war er nur gegen wissenscßaftficße Hocßstape fei undVerantwortungsfosigkeit. 
Dann könnte seine Ußerfegenßeit zermafmend wirken. Afs wissenseßafifießer Kritiker war er 
gefüreßtet und geßaßt und maneßen Kacßkolfegen Bat sicß woßf ein Seufzer der Erfeicßterung 
entrungen afs die „ Wiener kunstgeseßießtfießen Anzeigen ” das kritiseße Organ der „ Wiener 
Scßufe ” ißr Erscßeinen eingesteift Baßen. 
Es wäre noeß der umfassenden, rießtunggeßenden Kätigkeit Dvoraks auf dem Ge Biete der 
Denkmafpffege zu gedenken. Aßer dazu Besitzt der Scßreißer dieser Zeilen nicßt die nötige 
Kompetenz. - 
Und immer wieder Bedrängt seit Dvoraks Kode den, dem das Scßicksaf der kunstßistoriscßen 
Korscßung am Herzen liegt, die Bange Krage: wer wird den ßerrfießen Bau der „ Wiener Scßufe ” 
weiterfüßren? Dr. LeopofdZaßn
	        

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