Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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eine Inangriffnahme dieses Stückes tat 
sächlich Bewunderung verdient. Begreif 
licherweise bemächtigte sich der Dar^ 
steiler oft eine starke Erregung und 
immer wieder wurde die Frage laut: wie 
wird das Resultat all unserer Anstren 
gungen sein? 
Mit dem Fortschreiten der Arbeit 
wuchsen Zweifel und Befürchtungen. 
Regisseur und Schauspieler, die an den 
»bürgerlichen« Ton Tschechows gewöhnt 
gewesen, gelangten bald zur Überzeu 
gung, daß die Schlichtheit der »irdischen« 
Dialoge Onkel Wanja's auf »Kain« über 
tragen ein Unding sei und daß die Gefühle, 
die man für dieses Drama in seinem 
Herzen zu erwecken hatte, wenig Ge 
meinsames besaßen mit den Gedanken 
und Gefühlen gewöhnlich Sterblicher im 
Hausröckchen und gestärkten Vorhemd. 
Hier galt es in seiner Seele Gedanken 
und Gefühle zu entzünden, wie sie die 
ersten Menschen gehabt haben mochten, 
als sie menschlich zu empfinden begannen. 
Wahrlich, diese Gedanken und Gefühle 
fluteten geläutert durch das Prisma »des 
trauernden Genius zuBeginndes 19. Jahr 
hunderts, doch das Pathos dieser Ge 
danken und Gefühle trug weltlichen Cha* 
rakter«. Indessen die jahrelange Gepflo= 
genheit der Künstler, in Stücken aufzu= 
treten, wo ein Iwan Iwanowitsch oder 
eine Maria Iwanowna als Hauptpersonen 
der Handlung zu fungieren hatten, bot 
hierfür nicht das erforderliche Fundament. 
Weiter — die schwierige Frage in 
punkto der für das Mysterium am geeig 
netst erscheinenden Dekorationen. Der 
ursprüngliche Plan, in bemalten Leinwand^ 
zelten zu spielen, wurde verworfen. Es 
mußte für die klassische Strenge der im* 
neren Linie des Dramas der entsprechende 
äußere Rahmen gefunden werden. Der 
Bildhauer Andrejew wurde mit der Lö 
sung dieser Aufgabe betraut. Eine von 
ihm entworfene Skizze — das Innere einer 
katholischen Kirche des Mittelalters — 
Chagall, Das grüne Schwein (Aquarell) 
Chagall, Eiffelturm
	        

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