Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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R. Seewald Italienische Landschaft 1920 
Einfachheit erschreckend neuartiges Gepräge. 
Man findet Vergleichsmöglidikeiten höchstens in 
den besten Sachen des Hans Jürgen v. d.Wense 
oder in den Tänzen von Jossie Breling. Das 
Rhythmische dominiert. 
Neben Satie scheint Georges Auric die 
abgeschlossenste Persönlichkeit zu sein. Er ist 
brutaler und hemmungsloser als jener. Sehr 
stark ist die Rhythmik und Harmonie in seinem 
Foxtrot »Adieu New-York«. Der köstliche 
Radau turbulenter Jazz-bands ist hier mit orF 
gineller Sachlichkeit festgehalten. Wolken 
kratzende Obertonschichtungen zwischen melan 
cholischen Negerliedern, verstimmtes Klavier, 
das im odurM)reiklang plötzlich und sehr un 
angenehm cis tönen läßt. Zarter sind die »Pa= 
R. Seewald Lastra 1920 (Privatbesitz Colmar) 
R. Seewald Arnolandschaft 1920 (Privatbes. Colmar) 
storales«, vor allem das zweite. Das dritte 
kommt Bartök sehr nah. 
Zwischen Auric und Debussy vermittelnd 
steht Darius Milhaud. »Printemps« heißt ein 
Heft mit drei eigenartigen Klaviersachen. Das 
erste noch ohne Rückgrat, etwas weich und 
verschwommen. Am stärksten das letzte mit 
sehr eigenwilligen Folgen großer Septimen. 
<Erdmann gestaltete einmal eine ganz analoge 
harmonische Idee.) Milhauds Musik umweht 
ein leiser Hauch exotischer Wärme, die freilich 
theoretisch undefinierbar bleibt. 
Sehr stark ist ein Liederheft von Francis 
Poulene, genannt »Bewtiare«. Es sind sechs 
Gesänge auf Dichtungen des unvergeßlichen 
Guillaume Apollinaire. Neben Strawinskyschen 
R. Seewald Italienisches Haus 1920
	        
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