Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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bestehen überhaupt nicht. Denn, wenn auch die 
Leitung des einen oder anderen städtischen 
Museums sich einer nicht unbeträchtlichen Jahres« 
zusteuer erfreut, so hat sie doch mit diesen 
Mitteln auch die vorgeschriebenen und den 
Stadtvätern natürlich wichtiger dünkende Be« 
reicherung des Museums mit alter Kunst, Kunst« 
gewerbe, geschichtlichen Erinnerungen usw. zu 
bewerkstelligen. Die Leiter der modernen Ga« 
lerien Hollands sind also mehr oder minder 
hilflos und müssen, beschämend genug, beständig 
nach Unterstützungsgelegenheiten auf der Lauer 
liegen, die ihnen allenfalls ein günstiger Zufall 
liefert. 
Um das Walten des Zufalls ein wenig zu 
gängeln, ist es das üblichste, daß die Galerie« 
kiter sich an eine Schaar angesehener und wohl« 
habender Leute wenden und, daß sie mit dieser 
eine Vereinigung von »Freundendes Museums« 
begründen,- die Jahresbeiträge und freiwillige 
Zuschüsse der Mitglieder formen dann den 
Stock, der es erlaubt, der Gewinnung einer 
modernen Handzeichnung, eines Stichs, einer 
Öltafel oder eines Gipsabgusses, einer Plakette, 
einer Kleinplastik so zu sagen ausnahmsweise 
näher zu treten. Das Sprudeln solcher privater 
Quellen kann naturgemäß niemals zu einem 
breiten Strome anschwellen,- und unter Um« 
ständen suchen sich aus dem Kreise der Spender 
heraus Einflüsse zur Geltung zu bringen, welche 
den rein künstlerischen Gesichtspunkt bei der 
schließlichen Entscheidung in den Hintergrund 
drängen. Daß immerhin durch solche Vereine 
Ersprießliches geleistet werden kann, bekundet 
das Dordrechter Museum, um dessen neuzeit« 
liehe Frische die »VereenigungDordrechts Mu« 
seum« Verdienste hat und das Amsterdammer 
Stadtmuseum, dessen Neuankäufe die Kasse 
der »Vereeniging tot het Vermen van eene 
openbare Verzameling van hedendaagsche 
Kunst« möglich machte. 
Eine zweite Art dem Zufall ein wenig unter 
die Arme zu greifen, besteht darin, daß die Vor« 
Steher der modernen Galerien Hollands bei 
Künstlern oder privaten Sammlern anklopfen 
und diese bestimmen Bilder aus ihrem Besitze 
dem öffentlichen Schauhause als Leihgabe zu 
überweisen. Auch derlei gesellschaftliche Werbe« 
tätigkeit, die mit dem Berufszwecke eines Mu« 
seumsleiters im Grunde nicht das mindeste zu 
tun hat, zeitigt nur selten ganz ungetrübte Er« 
folge. Ist es schon eine peinliche Sachlage, wenn 
ein Gönner, freiwillig oder nach vorhergegan« 
gener Bearbeitung nicht seine besten sondern 
höchstens Stücke von zweitem oder drittem 
Range einem Museum zur zeitweiligen Auf« 
Stellung anbietet, so müssen des öftern aus 
Höflichkeitsgründen Bilder 
angenommen werden, die 
umgekehrt zwar wertvoll 
sind, die aber lediglich eine 
Wiederholung zu schon 
Vorhandenem bedeuten, 
und die somit, statt die 
Spannungsweite des Mu« 
seums inhalts zu vergrößern, 
der Ausgewogenheit des 
Ganzen empfindlichen Ab« 
bruch tun. Ein Beispiel 
bildet nach dieser Richtung 
die Sammlung Dunker« 
Fraser, Amsterdam, die 
dem Ryksmuseum als stän« 
dige Leihgabe unter der Be« 
dingung überwiesen wurde, 
daß man ihr in einem eigens 
errichteten Hausanbau Säle 
einräumte, in denen keine 
anderen Bilder als die der 
genannten Sammlung un« 
tergebracht werden dürfen. ArAipenko 
Der Museumsleitung er« Frau <SkuIphomalerei> 
schien die Masse des An« 
gebotenen so wertvoll, daß sie dem Vorschlag 
nachkam, hierbei indessen, um Platz zu schaffen, 
einer Reihe von äußerst belangreichen zeitge« 
nössischen Bildern — 1 Werke von Cezanne, 
Van Gogh, Le Fauconnier, Bracque, Mon« 
driaan, J. Sluiters — die wenig ansehnlichen, 
gegen Zugwind schlecht geschützten und auch 
räumlich ganz unzureichenden 3 Anhängsel« 
kabinette im Erdgeschoß zuweisen mußte. Als 
vor einigen Jahren die Nachlaß«Sammlung 
W. J. Randwyk, Haag, die im wesentlichen
	        
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