Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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Mir war zumute wie auf einer tollen Flucht: die ergrimmten Herrscher des Ozeans 
verfolgten uns, und um uns schnellten, wie phantastische Scharen unbestimmter Gestalten, 
die aufgeschreckten, neugierigen Fische empor. 
In 2wei Stunden erreichten wir die äußersten Klippen. 
Die Brandung ist dort gewaltig, und die Fahrt des Seegangs wegen gefährlich. Es ist 
kein Leichtes, die Piroge richtig vor die Sandbank zu steuern. Aber die Eingeborenen 
sind gewandt, und ich verfolgte mit lebhaftem Interesse, jedoch nicht ganz ohne Furcht, 
die Operation, die glänzend vonstatten ging. 
Vor uns war das Land von lohenden Feuern erhellt, — es waren enorme Fackeln von 
Zweigen des Kokosnußbaumes. Der Anblick der auf dem Sande am Ufer des beleucht 
teten Meeres lagernden Fischerfamilien war wunderbar. Einige saßen reglos da, andere 
liefen, die Fackeln schwingend, den Strand entlang, die Kinder sprangen hin und her, 
und man vernahm in der Ferne ihr stilles Geschrei. 
Mit leichtem Schwung fuhr unsere Piroge auf den Strand, und die Verteilung der Beute 
begann sogleich. 
Alle Fische wurden auf die Erde gelegt, und der Anführer teilte sie in so viele gleiche 
Teile, wie die Anzahl der Personen — Männer, Frauen und Kinder — betrug, die sich 
am Fischfang und dem Fischen der Köderfischchen beteiligt hatten. 
Es waren 37 Teile. 
Ohne Zeit zu verlieren, nahm meine Vahina ein Beil, spaltete Holz damit und zündete 
ein Feuer an, während ich noch ein wenig Toilette machte und mich wegen der Nachts 
kühle einhüllte. 
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Von unseren beiden Anteilen wurde der eine gekocht, und den anderen bewahrte 
Tehura roh auf. 
Dann fragte sie mich des langen und breiten über die verschiedenen Vorkommnisse 
beim Fischfang aus, und ich befriedigte willfährig ihre Neugierde. Genügsam und kindlich 
erheiterte sie sich an allem, und ich beobachtete sie, ohne sie meine geheimen Gedanken 
merken zu lassen. Im Grunde meiner Seele war ohne jede Ursache eine Unruhe er* 
wacht, die nicht zu beschwichtigen war. Ich brannte darauf, an Tehura eine Frage zu 
stellen — eine gewisse Frage . . . und es half mir nichts, mir zu sagen: Wozu? Ich ant* 
wortete mir selber: Wer weiß? 
Die Zeit des Schlafengehens kam heran, und als wir beide ausgestreckt nebeneinander 
lagen, fragte ich plötzlich: 
— Bist du vernünftig gewesen?
	        
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