Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

Erivan, Gök=Dschami, Außenansidit 
Der bleibende Geist des üppigen Landes und der verschiedengeartete Geist der Völker, die hier 
kommen und gehen, suchen immerwährenden Ausgleich. So hat in den zerfallenden Palästen 
Erivans persischer und türkischer Geist seinen Ausgleich gefunden. Vegetative Sinnlichkeit und 
geometrische Abstraktion greifen ineinander. Aber das Vegetative ist nur Schmuck, der das ab= 
strakte Gefüge umgibt. Diese Mauern wachsen nicht, sind nicht durch aufstrebende Säulen oder 
Lisenen gegliedert, die zur Decke oder Wölbung organisch überleiten. Die Horizontalen der 
Gesimse bedeuten nicht Überleitung, sondern einen Abschluß, der die Wand als etwas für sich 
Bestehendes, in sich Abgeschlossenes bezeichnet. Und so bedeuten auch die Felder und Nischen 
der Wände jedesmal ein in sich Geschlossenes ohne organisches In-Beziehungsetzen. Nicht 
die lebendigen Gesetze der Tektonik, 
sondern die abstrakten der Geometrie 
sind herrschend. Die Wand ist als irra 
tionale Fläche nicht als Masse gefühlt,- 
deshalb kann sie auch ganz wegfallen und 
die Ziegelmasse durch verglaste Rah^ 
mungen aufgelöst werden, oder einge 
setzte Spiegel steigern den irrationalen 
Charakter. Auf neutralem unvertieftem 
Grunde erscheinen auch die Ornamente 
der Felderungen. Die Kraftlinien der 
Bogen und Wölbungen werden zu geo^ 
metrischen Kurven, ohne Ausdruck der 
Schwere oder der Spannung, wieder nur 
Erivan, Sirdar-Moschee als Elemente für sich aufgefaßt ohne 
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