Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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das Ausland gelangte, untergrub das 
Ansehen des deutsdien Buches. Unge» 
heure Summen, die im Dezember und 
Januar vorausbezahlt waren, mußten 
zurückbezahlt werden, wie wohl jeder 
Verleger und Sortimenter bestätigen 
kann. Der Briefwechsel mit unsern Aus» 
landskunden war eine Kette von Un» 
Freundlichkeiten, ja teilweise von Beleih 
digungen. Bei diesen Zurückzahlungen 
haben die Ausländer außerdem noch ein 
gutes Geschält gemacht, denn die Mark 
war inzwischen auf das Doppelte ge» 
stiegen und ein Schweizer, der im De» 
zember die Mark für 50 Franken gekauft 
hatte, bekam für den gleichen Betrag 
100 Frcs. im Februar. Es läßt sich 
schwer schätzen, welchen Ausfall der 
deutsche Exporthandel durch die Valuta» 
Ordnung erlitten hat, sicherlich aber be» 
läuft er sich auf viele Millionen, deren 
Umsatz der reelle Handel verlor, um sie 
dem Schleichhandel zu überlassen, der Kisling 
weder Gewerbe» noch Umsatzsteuer 
zahlt. 
Der Auslandsbuchhändler hatte sich mit großen 
deutschen Büchervorräten eingedeckt. Der Schweizer 
z. B. hatte sie im Dezember und Anfang Januar zum 
Kurse von fünf gekauft. Nach Einführung derV alu ta» 
Ordnung hörte er auf zu kaufen, bestellte die noch 
nicht erschienenen Bücher ab und verkaufte seine 
Vorräte zum Kurse von 40, wozu ihm die Valuta» 
»Au bord de l'eaux« <Gem.) 
Ordnung das Recht gab. Ein feines Geschäft, meine 
Herren! Und ein Hohn auf die Zwecke der Valuta» 
Ordnung. Heute stehen die für die deutschen Bücher 
reservierten Regale leer und werden ausgefüllt durch 
das französische Buch, auf dessen Einführung das 
Pariser Handelsministerium Prämien setzt. Die Kla» 
vierauszüge von »Richard Wagner« werden in fran» 
zösischen Ausgaben in der Schweiz bil» 
liger verkauft als sie ein Schweizer in 
Deutschland zum Inlandspreise kaufen 
kann. Wie lange wird es noch dauern, 
dann wird man in der Schweiz »Gott» 
fried Keller« und C. F. Meyer in deut» 
scher Sprache als Ausgabe eines Pariser 
Verlegers billiger haben können, als in 
Deutschland. Seit der Unterschrift des 
Versailler Friedensvertrags gibt es keine 
Macht, die einen findigen Pariser Ver» 
leger daran hindern könnte. Welch un» 
geheuren Schaden die deutsche Sache 
durch das Überwiegen französischer 
Literatur im Ausland nimmt, ist kaum 
auszudenken. 
Ich behaupte also, die Einführung der 
Valutaordnung hat niemanden Nutzen, 
ganz Deutschland aber beträchtlichen 
Schaden zugefügt. Sie war und ist nicht 
durchführbar, sondern hat nur bezweckt, 
eine neue Filiale des Schleichhandels 
aufzumachen. Sie ist außerdem in ihren 
Absichten überholt durch die Steigerung 
Kisling 
»Brücke mit Bäumen« (Gern.)
	        
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