Full text: Zweiter Jahrgang (2(1921))

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wurde gewährt, und schon am nächsten Abend fuhr ich mit meiner Marschroute nach Laibach, der 
Landeshauptstadt von Krain, zu meinem Regiment. Dort diente ich genau 18 Tage und fühlte mich 
dabei eigentlich viel wohler als in den vergangenen 18 Jahren. 
In meinem Schicksal war es beschlossen, daß ich nicht Soldat bleiben sollte, und der zufällige 
äußere Anlaß zu einem neuerlichen Umschwung meiner Verhältnisse war der plötzliche Tod unseres 
Divisionskommandanten. Im allgemeinen Trubel beim Zurichten der Paradeuniformen für die 
Leichenfeier fiel ich durch übertriebenes nervöses Gebaren auf, ich weiß nur noch, daß ich in allere 
höchster Angst war, ob auch alles klappen und die Kompagnie gut abschneiden würde. Beim 
Begräbnis selbst 
befahl mir mein 
Hauptmann zu 
Hause zu bleiben 
und als ich dem 
abziehenden Re^ 
giment besorgt 
durch das Fenster 
nachsah, war es 
mir beim Klange 
der Trauermusik, 
als durchflößen 
mich laue, ange 
nehme Ströme. Ich 
warfmich auf mei 
nen Strohsack und 
verlor die Be= 
sinnung. 
Ein Delirium, 
das wohl schon 
länger unbewußt 
in mir gelauert 
hatte, hatte mich 
erfaßt, dessen von 
häufigen Krämp= 
fen durchkreuztes 
Hauptstadium mir 
nur ganz leise und 
dämmerhaft inEr= 
innerung geblie* 
ben ist. Die ein- 
ben mußte. Im elterlichen Hause hatte ich es jetzt sehr gut, man nahm alle Rücksicht auf mich, 
obwohl die ganze Familie durch meine leichte Erregbarkeit, die in der ersten Zeit regelmäßig in 
Krämpfen ausartete, sehr litt. — Mit der militärischen Carriere war es natürlich aus. — 
Ein Freund unserer Familie, ein alter kunstsinniger Herr, der meine Zeichnungen gesehen 
hatte, riet meinem Vater, mich auf die Münchner Malerakademie zu schieben. Da ich um diese 
Zeit von meinen Großeltern einige tausend Gulden geerbt hatte, welche für meine Ausbildung 
verwendet werden sollten, machte mir mein Vater auch einen dahingehenden Vorschlag, der mir 
sehr einleuchtete. Daß ich ein gewisses zeichnerisches Talent hatte, wußte ich, aber niemals wäre 
Blick auf eine Stadt 
gebildete Idee, ich 
sei ein bourboni- 
scher Prinz, der 
auf der Insel Bor= 
neo existiere, un 
terjochte dieVor^ 
Stellung meines 
vagen Lebensver= 
hältnisses. Die 
nervöse Veran 
lagung zu dieser 
Krankheit hatte 
ich wohl von mei 
ner Mutter geerbt, 
die viel an solchen 
Krämpfen gelitten 
hatte. — Man 
brachte mich nach 
Graz in das Gar 
nisonsspital und 
in drei Monaten 
legte sich dieser 
abnormeZustand. 
* 
Als mich dann 
endlich meinVater 
abholte, sah ich an 
seinen überwälti 
genden Freudes 
äußerungen, daß 
er mich doch im 
Grunde sehr lie-
	        
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