Full text: Die weissen Blätter (3(1916),1)

128 
Gfossen 
ab von der Wahrheit hinorgelnden Rede, einzig Gemeinsame zwischen ihnen ge- 
besinne sich doch: er traf das Rechte nicht, worden. Entschlössen sie sich doch, glei- 
O Gedanken! seid ihr denn von der Welt cherweise Stellung zu nehmen wider die 
entflohen, seit die schimmernden Zeppe- eigenen Besessenen, die hinter der Zeit 
line, ewig getrübten Andenkens, Bomben einherlaufen. Gewesenes aus der Taufe 
statt Passagiere durch die Lüfte fahren. Ach! heben möchten und durch ihre Verblen- 
laßt mich reden! laßt mir meine Narren- düng die verruchte Falle stellen halfen, 
freiheit! Was kommt es auf meine Worte welche gleicherweise die Völker in diesen 
an? Ich sage ja nichts anderes, als was unsere rückständigen Krieg hineinlockte! 
Kindeskinder sagen werden. Mögen wir Seltsam! Inmitten des Jammers um die 
alle, die heute leben, zu Staub darüber hingemordeten, die vermißten, die unge- 
werden, ehe es sich erfüllt, wahr bleibt borgenen, die ewig um ihre Jugend be- 
es doch, daß die Völker, bevor sie jäh und trogenen Söhne, in einer von Rachegefüh- 
gewaltsam auf sich selbst zurückgewiesen len unterminierten Welt stehen überall nur 
wurden, den Plan schon beschritten hatten, die Schuldigen unbedroht. Es ginge nicht an, 
von wo aus ihre Wege verschlungen aus- sie zu einem Reigen zusammenzutreiben, 
liefen und das Tal der Menschheit geweitet einen Reigen, den Kitchener wohl am schick 
stand. Wie der Fluß, der als Quelle der liebsten eröffnen würde. Denn mit seiner, 
Höhe entstürzt und dann sich über Blöcke unseres Zeitalters so vollkommen unwür- 
und Fälle quält und durch finstere Schächte digen Initiative der Konzentrationslager 
ängstet, bis er ans Licht und breiten Laufes hat er einen schmachvollen Zustand ge- 
strahlend dem Meer entgegenströmt, wie schaffen, namenlose Leiden unschuldiger 
er da wohl zu außerordentlicher Höhe sich Menschen inszeniert, und er ist es, welcher 
türmen würde, wenn er vor seiner Mün- durch die Preisgabe und Verfolgung der 
düng gewaltsam in sein enges Bett zurück- Wehrlosen den niedrigen Instinkten des 
gedrängt, die alten Ufer wieder aufwärts Pöbels am meisten, entgegenkam. Jedes 
treiben müßte, ebenso werden die Völker, Volk hält ja in Friedenszeiten die Spalten 
die jäh und gewaltsam auf die schon ver- seiner Zeitung für die Aufzählung der 
lassene Enge zurückfluten, gewiß leiden- eigenen Greueltaten und Verbrechen offen, 
schaftlich große Taten verrichten,-aber neue Mein Gedächtnis ist nicht so kurz. Auch 
Gestade sehen sie nicht, und um ihre Be- der Geschichte bleibe ich eingedenk, und 
Stimmung sind sie betrogen, 
deshalb auch der Tatsache, daß Kitchener 
Aber wer denkt noch daran? Wie be- einen Pöbel aufreizte, für den gerade in 
zeichnend ist es, daß fast alle, die geistig seinem Lande die Prinzessin von Lam- 
zu dem Kriege Stellung zu nehmen ver- balle und der kleine Ludwig XVII, so un- 
suchten, unweigerlich versagten, und daß vergeßlich sind. Man tauscht nur Verwun- 
nur das Wort von der »Ohnmacht der dete, keine Verantwortlichen aus . , Welch 
Gedanken« ins Schwarze traf. Die Gleich- törichter Vorschlag! Warum so töricht? 
förmigkeit, mit welcher die Kriegführen- Weil er unausführbar ist. Sehe ich denn 
den das Ritornell von dem aufgezwungenen das nicht ein? Aber mit allen Anzeichen 
Krieg absingen, ist nicht mehr anzuhören, des Blödsinns beharre ich auf meiner Frage: 
Sogar Italien stolperte nachträglich 
Warum ist 
nicht möglich? Was ist 
demselben Notenblatt herzu. Es ist das dann möglich? Nur das Unmögliche ist
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.