Full text: Die weissen Blätter (3(1916),1)

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sische Werke vermittelt werden mußte, der ersten Gelegenheit das Geschäft der 
Jedenfalls hat das Schlagwort den Wert oppositionellen Haltung wieder beginnen, 
eines Schlagworts, es ist mit ihm bestellt genau, wie er in die Hochkonjunktur des 
wie mit dem Realismus und Naturalismus »Patriotismus« sprang, um ja auf der 
früherer Generationen. Es kann eine mo= Butterseite zu bleiben. Es gibt möglicher* 
ralisdie Macht werden oder in der Lite* weise viele Arten, deutsch zu sein,- als 
raturgeschichte stecken bleiben. Der Essai reifer Mann sidi zu verleugnen, ist die 
von Heinrich Mann im Novemberheft zeig* beste nicht. Wir gehn nicht nach dem Lon* 
te, zu welcher politischen Macht der Na* don früherer Jahrzehnte,- wir bleiben in 
turalismus in Frankreich gelangen konnte,- der Nähe Weimars, heute wie vor einem 
ein Vergleich mit der sozialisierenden Lieb* Jahr. Eine Nation ist vielfältig genug ge* 
haberei der schnell emporgekommenen deut* gliedert. Wir gehören nicht zu denen, die 
sehen Naturalisten, die eben nur Literatur-* leben, um Geschäfte zu machen. Diese 
beflissene waren, Literaten, die, wenigstens mögen in der Mehrzahl sein. Je zahlreicher, 
bildlich gesprochen, eilig nach Berlin W je stärker sie sind, desto leichter können 
übersiedelten, würde das Mißverhältnis in sie unsere Hilfe entbehren. Jene können 
ein noch grelleres Licht setzen. 
siegen oder geschlagen werden,- wir nicht. 
Der Expressionismus, so, wie ihn die Wir hüten einen Schatz, ohne den Eu* 
sehn, die als Expressionisten angesprochen ropa aus bösen Negern bestände. Denn 
werden, ist natürlich auch eine technische dieser Schatz ist das einzige, was uns von 
Ausdrucksform — der die Naturalisten den »Wilden« unterscheidet. Jede andere 
genau so gegenüberstehn, wie die »to= Überlegenheit teilen wir letzten Endes mit 
talen« Deutschen der achtziger Jahre den den Affen. Unsere Mörser, sie mögen noch 
Naturalismus ansahn. Er bedeutet aber so gut sein, haben mit Goethe nichts ge* 
vor allem den Wunsch, neben die Schilde* mein, die gelungensten Durchbrüche zu 
rung einen moralischen Willen zu setzen,- Bach nicht die geringste Beziehung. Ein 
er ist kämpferisch,-er ist radikal,-er schleu* Sieg ist, wenn Geist Macht wird,- wenn 
dert die Kunst, die in und seit unsrer aber die Gewalt sich des Geistes bedient, 
Klassik ein vornehmes Privatleben führte, um der Macht und nur ihretwillen, so übt 
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durch die Straße — selbst auf die Gefahr sie die schlimmste Sklaverei, die Menschen 
hin, daß sie dort zugrunde gehe. 
erdulden können. 
Und sie haben sie nie erduldet. 
Es ist nicht nur leicht, es ist schön, sich Und sie werden sie nie dulden, 
einer Liebe hinzugeben. Die Art, wie er Der Kampf darum heißt Weltgeschichte, 
es tut, kennzeichnet einen Menschen, Und Jeder tue, an seinem Platz, was sein 
eins weiß ich: wer jetzt feig war, der ist Gewissen ihm gebietet. Es gibt kein an* 
feig und wird es immer sein, er wird bei deres »Gebot der Stunde«. R. S. 
Herausgeber: Rene Scßicßefe. 
Verantwortlich für die Redaktion: i.V,: Eugen Loßmann, Leipzig. — Für Österreich* 
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Ungarn: Hugo Helfer, Wien I, Bauernmarkt 3. — In Kommission beim Verlag der 
Weißen Bücher, Leipzig, Kreuzstraße 3 b. — Druck von Pceschel 'S) Trepte in Leipzig.
	        

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