Full text: Die weissen Blätter (3(1916),1)

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Rene Schieße Ce ■ Hans im Schnaken hoch 
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Klär: Ich denke, jetzt gäbe es auch genug zu tun. 
Hans: Schon, Aber jetzt habe ich keine Lust. Winter, Frühling, 
Herbst da muß ich immer an die nordischen Göttersagen denken, 
an Nebelriesen, feuchte Zwerge und melancholische Helden, die ihren 
Gram in Meth ersaufen und dabei von der Sonne schwärmen, die 
nie recht zu ihnen kommt. Klär, wenn es nur schon Sommer wäre. 
Klär: Wir haben ja schon Frühling. 
Hans: Ich weiß, den liebst du. Wenn ich an meine Jugend und 
meine Kindheit denke, seh' ich nur immer Sommer, Da waren auch 
die Ferien. Die Ernte, das ist eine wundervolle Zeit, ein Stüde goL 
denes Zeitalter, Im Grunde lebe ich nur für die Spanne von Juli 
bis Oktober, Man steht bis an die Hüften in Fruchtbarkeit, ein 
Himmel blaut, der viel schöner ist als in Afrika, hat fast nichts am 
Leib und rafft, in leichtem Schweiß, tief atmend, zusammen, und 
alles ist von der Sonne durchhellt. Frühling und Spätherbst, die ver^ 
undeutlichen mir — midi und die Welt. Alles liegt dann wie hinter 
dem Schleier eines Rausches, aber keineswegs heiter und lustig, wie 
bei einem wirklichen Rausch, sondern in klotziger Unordnung, wie 
bei einem Katzenjammer. 
Klär: Du solltest Balthasar besser behandeln. Er nimmt dir alle 
unangenehme Arbeit ab, ist immer auf dem Posten , . . 
Hans: Sei ruhig. Ich werde mich gern, lebendigen Leibes, von 
ihm beerben lassen, Glaube bitte nicht, daß es gegen meinen Willen 
geschieht, wenn ein Stück meines Lebens nach dem andern — von 
mir an ihn übergeht. Ich liquidiere mich zu seinen Gunsten, Er ist 
heute schon der Herr im Schnakenloch, Ich habe ihn sehr lieb. 
Klär: Hans —! 
Hans: Was ist? 
Klär: Nichts, Manchmal meine ich, du seist ein schlechter Mensch 
und gäbst dir alle erdenkliche Mühe, die andern ebenso schlecht zu 
machen. 
Hans: Ich verstehe den Zusammenhang nicht . . 
Klär: Du sollst dich nicht zugrunde richten. Ich hab dich lieb, 
Hans: Im Gegenteil, Klär, ich tue, was ich kann, um mich zu 
behaupten. 
Klär: Du läßt alles gehen, . , . dich . . , und mich —
	        
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