Full text: Die weissen Blätter (3(1916),1)

Rene Schichefe • Hans im Schnaken [och 
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Hans: Du irrst. Klär,- dich nicht! 
Klär: Ich bin nichts ohne dich, Wenn du mich verließest, so oder 
so, ich wüßte nicht, wo ich hinsollte. Ich wüßte nicht einmal, was 
ich bis dahin gewesen bin, 
Hans: Komm, 
Klär: Nein, denn sonst muß ich am Ende weinen, und dann 
sagst du wieder, ich sei sentimental, und die Tränen machten mich 
häßlich. 
Hans: Du, das mit den Tränen, das stimmt. 
Klär: Ich weine auch nicht. Ich strenge mich an, mich zu bessern. 
Ich habe bereits eingesehen, daß ich dir unter gar keinen Umständen 
zumuten darf, über mein häßliches Gesicht hinweg und auf das Leid 
zu sehn, das ich dir zur Beruhigung in die Hände geben möchte , , . 
Ein Geliebter muß manchmal auch Mutter sein. Wie oft hast du 
nachts den Jungen herumgeschleppt, wenn er schrie. Häßlicher, wie 
er war, bin ich auch nicht, wenn ich weine. 
Hans: Klär, komm her. 
Klär: Ich möchte gern, aber es geht nicht, 
Hans: Warum geht es nicht? 
Klär: Schimpf mich schnell ein bißchen, damit ich böse werde, 
sonst kommen die elenden Tränen. Schnell, so sag 7 doch irgendeine 
Gemeinheit. 
Hans: Ich finde keine. 
Klär: Sag 7 , ich sei eine Gans mit einem Band aus veilchenblauer Seide 
Hans; Ja, also du bist — 
Klär: Sag 7 , Madame Cavrel sei im kleinen Finger mehr Frau als ich — 
Hans: So etwas habe ich nie gesagt. 
Klär; Du lügst, du hast es erst gestern gesagt. 
Hans: Gestern? 
Klär: Gestern. 
Hans: Ich erinnere mich wirklich nicht. 
Klär: Du erinnerst dich nie. Glaubst du, daß ich dir deine Nieder^ 
trächtigkeiten sonst so schnell verziehe? 
Hans: Wenn ich das von Frau Cavrel wirklich gesagt habe, so 
war es eine Niederträchtigkeit, erstens, und zweitens eine Lüge, 
Klär: Willst du noch, daß ich zu dir komme?
	        

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