Full text: Die weissen Blätter (3(1916),1)

Rene Scfoicßefe ■ Hans im Scßnakenfodö 
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Gräfin: Darf ich um eine Photographie der Dame bitten? 
Simon: Da Sie mir vielleicht behilflich sein können, sie zu finden, 
gern. Anständige Frau — 
Gräfin: Das hätten Sie aus verschiedenen Gründen nicht zu sagen 
brauchen, unter andern, weil wir Ihre Verderbtheit kennen, 
Cavrel: Mein Freund, Sie können ja keine Frau lieben. Sie 
lieben die Politik, wie wir andern nicht wagen würden, unsere 
Frauen zu lieben, 
Simon: Nein, mein Freund, mehr und weniger. 
Gräfin: Wenn Sie nicht unterwegs das Genick brechen, werden 
Sie weit kommen. Sie verdienten's, 
Simon: Frau Gräfin, ich bin Ihnen für Ihre Vorurteilslosigkeit 
sehr dankbar. 
Frau Müller: Alle Welt in Frankreich wartet auf den Diktator, 
Louise: Herr Boulanger, da gerade von Vorurteilslosigkeit die 
Rede ist: wie fühlen Sie sich in der Gesellschaft? 
Hans: Ich warte darauf, daß wir, die wir vorläufig noch hier 
sitzen, plötzlich in die Luft gehn und — fft — fort sind. Ich fühle 
mich sehr wohl, 
Gräfin: Richtig, Hans Boulanger stammt ja aus dem Schnaken^ 
loch und ist nicht einmal Advokat, Sie können versichert sein, mein 
junger Freund, wenn ich Sie nicht von Kindsbeinen gekannt hätte, 
so, wie wir Sie unter uns sehen, würde ich Sie gewiß für einen 
unserer jungen Franzosen halten, 
Cavrel: Was Sie dem Herrn sagen, Gräfin, wird er kaum als 
eine Schmeichelei empfinden. Ich an seiner Stelle täte es nicht. Unsere 
Art, in die Luft zu gehn, wie der Herr sagte, — 
Simon: Die allgemein bekannte Tatsache, daß Sie sehr schwer 
hochgehn, enthebt Sie jeder weiteren Entschuldigung, 
Cavrel: Danke schön. Sie haben recht. Ich bin keine Seifenblase. 
Simon: Der Meister findet sich wieder einmal nicht in seinen 
Bildern zurecht Feuerwerk ist natürlich keine Seifenblase, 
Hans: Können Sie wissen, Herr Minister, ob ich nicht an das Im* 
die=Luft>Gehn einer Seifenblase gedacht habe? 
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