Full text: Die weissen Blätter (3(1916),1)

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Rene ScBic&efe • Hans im Sdönabenfocfo 
Audi alt werden ist schön, nicht nur bei andern, Und der gleich* 
bleibende Wechsel der Jahreszeiten, am selben Ort, bereichert einen 
immer mehr, man wächst und schmilzt in die Ewigkeit hinein. 
Klär: Hans, komm her, <Sie küßt ihn heftig.) Verzeih die Unter* 
brechung, (Sie küßt ihn noch einmal,) Du mußt mir aber schwören, daß 
dein Programm nicht ein Kniff ist, um deine Langeweile, die du 
bisher wie ein Janitsdiar bekämpft hast, nunmehr in einen Gottes* 
dienst zu verwandeln. Wir behalten nur unsern Leichtsinn für 
uns, ja 
? 
Hans: Ich denke, es geht Nur 
ich hatte gedacht 
weißt 
du, die Angriffe, denen ich ausgesetzt bin, die sind bestimmt — 
bis zu einem gewissen Grad — bürgerlicher Art, Ich hatte gedacht, 
wenn ich ihnen eine bürgerliche Ordnung entgegensetze — man muß 
den Feind mit seinen eigenen Waffen schlagen. 
Klär: Ich beginne zu fürchten, daß du das nächste Mal in ein 
Kloster durchbrennst, 
Hans: Ja, ja! »Die wir haben, die halten wir fest,« sagt Schmitt, 
Die Tonsur ist noch keinem zugewachsen. Wir sind die besseren 
Rebellen, weil wir die besseren Herren haben, Ihr seid ein mehr 
oder minder fröhlicher Haufen Christenmenschen, Wir haben noch 
immer die alte römische Disziplin in der Seele — nicht nur die Ge* 
weihten, alle, die durch den Beichtstuhl und die Mysterien gegangen 
sind. Aber du mußt zugeben, daß zum Beispiel der Abbe ein braver, 
ein ausgezeichneter Mensch ist, (Man hört Rufe; »He! He!«) 
Klär: Er hätte sich mir gegenüber nicht taktvoller benehmen können. 
Hans: Der Dimpfel . . . (Am Fenster.) Was ist, Dimpfel? (Dimpfels 
Stimme): »Es gibt Krieg.« 
Hans (leichten Tons): Ei, dann komm herauf — und bring eins 
zu trinken mit, — Klär, ich hab dich sehr, sehr lieb, und um so 
lieber, je fröhlicher du bist. Ich bitte dich, bleib, wie du bist, wenn 
ich mich auch noch so anstrenge, es dir zu verleiden. 
Klär (kreuzt die Arme auf der Brust): Die Bajadere grüßt den ge 
strengen Herrn und empfiehlt sich seinem Dienst, 
Hans: Sela, Dein Herr hofft mit deiner Hilfe glücklich in der 
Mitte zwischen der Wasserheilanstalt und dem Kloster hindurchzu 
kommen.
	        
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