Full text: Die weissen Blätter (3(1916),1)

Rene' Scßicfiefe • Hans im Scf näßen foef 
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und hinter ihnen Unschuldige in den Trümmern verkohlen, Haufen 
zerrissener Leiber sänken in die Erde, und die Verstümmelten 
würden in den Hospitälern zu den weißen Wänden schreien. Die 
an der Spitze hören nicht. Sie siegen.,, 
Starkfuß {strahlend); Sie siegen! 
Dimpfel: Ihr geht noch alle mit, 
Hans: Ich nicht. Ich weidie nicht von der Stelle, und wenn sie 
das Haus bis auf die Grundmauern über mir zusammenschießen, 
Schmitt: Ich bleibe in meiner Kirche. 
Starkfuß: Die Weiber werden dich auch nötig haben. Du wirst 
sie damit trösten müssen, du Römerknecht, daß ihre Männer und 
Söhne für meinen Gott, für mein Vaterland sterben. 
Schmitt: Ich werde sie trösten, und sicher gehört dazu für mich 
mehr Tapferkeit und jedenfalls mehr Großmut, als du für deine 
Arbeit brauchst, Liebe ist schwerer als Haß, Ich ritte viel lieber in 
die Kugeln, 
Starkfuß: Mit den Franzosen? 
Schmitt: Wie es meine Pflicht wäre: mit deutschen Katholiken 
oder selbst als einziger katholischer Gedanke in einem Haufen 
Andersgläubiger. Du siehst die Dinge zu militärisch. Mein Gott ist 
kein Feldwebel im Bekleidungsamt, 
Starkfuß: Was ist aus den Kämpfen geworden, die über uns 
in den Lüften ausgefochten werden, hier, an der Glaubensscheide? 
Schmitt: Ich wiederhole: es ist leichter gut zu schießen, als gut 
zu denken. Das Schießen ist an der Reihe, Sprechen wir weiter,, 
wenn die Tage des Denkens wiederkommen. 
Stark fuß: Auch die Gedanken werden mit dem Säbel ausgefochten, 
Schmitt: Manchmal. Aber sie lassen sich nie totschlagen. Dagegen 
hat der Weltgedanke der Erschlagenen schon oft die Sieger besiegt, 
Dimpfel: Ob ihr mir glaubt, oder nicht, Ihr seid alle drei Rauf= 
holde. Und der Soldat triumphiert, weil er sich am ungeniertesten 
betätigen kann, 
Starkfuß: Hurra. Der Dimpfel soll leben, 
Hans: Und weil er der Stärkere ist. Wie hieß es: »wird mit 
dem Tode bestraft,., wird mit dem Tode bestraft...« Er gehört 
zu denen, die bestrafen, wir bestenfalls zu denen, die bestraft werden.
	        

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