Full text: Die Wahrheit über Anna Blume

Auf einem Spaziergange kommt ihm das Unverhoffte. 
Er sieht die Logik in der Natur, die Anatomie, die Be^ 
Ziehungen. Äußeres, zufälliges stürzt. Die Landschaft, der 
Mensch sind nickt mehr selbständige Melodie: nur Töne 
im großen Akkord der Schöpfung. Der junge Maler 
taucht in die Tiefen, erhebt sich zu den Sternen, breitet 
die Arme zu Gott: fühlend die große Linie im Sinn 
unseres Seins. Und im Erkennen der Kunstseele ahnt er 
das Absolute. 
Diese Art des Erlebens ist Schicksal. Das Gestalten 
aus ihr elementarer Zwang. Konvention vermag da nicht 
mehr als Erziehung gegenüber dem Wesen. Akademisches 
wird in seine Schranken verwiesen: ist überwiegend nur 
Ballast,- der brauchbare Rest selbstverständliche Voraus 
setzung geistiger Tat. 
Schwitters beginnt nun im freien Schaffen den Kampf 
um die Möglichkeit des Formens seiner Gesichte. 
Tastend, suchend, umklungen noch von den Thesen der 
Akademie, die ihn als altera pars hörenswert sind, stammelt 
er dumpfe Gebete. 
Gelegentliche Rückflüge bringen manches Gute. Doch 
ist es ihm nicht eigentliche Tat. Vermittelt ihm vielmehr 
die Atmosphäre, die der Impressionismus vorbereitend 
erzeugte. — 
Mit dem Abschluß des Studiums kommt die Befreiung. 
Ein Strom ergießt sich: rasend von Punkt zu Punkt. Off 
mit beängstigender Schnelle. 
Im Bekennen zu der dreifachen Gesetzmäßigkeit: der 
Natur, der Kunst, seiner selbst faßt Schwitters mit ganzer 
Seele das Ganze der Welt, Ziel ist die abstrakte Form 
als Ausdruck gleichen Erlebens.
	        

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