Auf einem Spaziergange kommt ihm das Unverhoffte.
Er sieht die Logik in der Natur, die Anatomie, die Be^
Ziehungen. Äußeres, zufälliges stürzt. Die Landschaft, der
Mensch sind nickt mehr selbständige Melodie: nur Töne
im großen Akkord der Schöpfung. Der junge Maler
taucht in die Tiefen, erhebt sich zu den Sternen, breitet
die Arme zu Gott: fühlend die große Linie im Sinn
unseres Seins. Und im Erkennen der Kunstseele ahnt er
das Absolute.
Diese Art des Erlebens ist Schicksal. Das Gestalten
aus ihr elementarer Zwang. Konvention vermag da nicht
mehr als Erziehung gegenüber dem Wesen. Akademisches
wird in seine Schranken verwiesen: ist überwiegend nur
Ballast,- der brauchbare Rest selbstverständliche Voraus
setzung geistiger Tat.
Schwitters beginnt nun im freien Schaffen den Kampf
um die Möglichkeit des Formens seiner Gesichte.
Tastend, suchend, umklungen noch von den Thesen der
Akademie, die ihn als altera pars hörenswert sind, stammelt
er dumpfe Gebete.
Gelegentliche Rückflüge bringen manches Gute. Doch
ist es ihm nicht eigentliche Tat. Vermittelt ihm vielmehr
die Atmosphäre, die der Impressionismus vorbereitend
erzeugte. —
Mit dem Abschluß des Studiums kommt die Befreiung.
Ein Strom ergießt sich: rasend von Punkt zu Punkt. Off
mit beängstigender Schnelle.
Im Bekennen zu der dreifachen Gesetzmäßigkeit: der
Natur, der Kunst, seiner selbst faßt Schwitters mit ganzer
Seele das Ganze der Welt, Ziel ist die abstrakte Form
als Ausdruck gleichen Erlebens.