Full text: Die Wahrheit über Anna Blume

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Über die geistige Erscheinungsgestaltung kommt er bald 
hinaus. Siebt da noch Grenzen im Suchen nah Univer 
salem. Sein Fühlen braucht Weiten. 
Die Bildfläche ist ihm der Raum, aus dem er die Formen 
entwickelt. Fern von Gedanklichem, Einfällen, kompo- 
sitionellen Absichten schwingt sein Gefühl nun durch 
rhythmische Linien, farbige Klänge, die Stimmung kündend, 
die ihn erfüllt. In Kreisen, Ovalen, Kuben, Kurven, in 
steigenden, fallenden, gegenseitig sich hebenden, Spannung 
lösenden, traumhaft verlöschenden Farben, ohne Mittel 
punkt, ausgeströmt aus der Unendlichkeit: großer Gedanke 
der Einheit, klingen diese Bilder die kosmische Harmonie. 
Pulsschlag der Welt. — 
Gegenständliches Schaffen hat konkrete Möglichkeiten 
für Wertbemessung des Werkes: Vergleich mit dem Objekt, 
Gesetze einer Ästhetik, zeitliche Dogmen. Da ist ein Ziel, — 
da ist Begrenztheit. Da ist die Gemeinsdiaft derer, die es 
erreicht haben, — Kunstbourgeoisie. 
Abstrakt schaffende Künstler haben kein Ziel. Wo sollte 
es sein? Sie folgen ihrem Gesetz und schweben durch- 
sdiüttert im Grenzenlosen. Sie schauen das Hödiste und 
finden die Worte nicht. So groß ist Gott! Rastlos müssen 
sie suchen nach Form ihres Fühlens würdig. Bisheriges 
reicht nicht aus. 
In allem die Erkenntnis: das Geistige ist in der Kunst 
das Primäre,- Erlebnis steht über dem Ausdruck, Seele 
des Werkes über dem Sichtbaren. 
Aus dieser Konzentration auf das Abstrakte entspringt 
die heutige Freizügigkeit in der Ausübung der Kunstarten. 
Wieder ein Zug zum Universalen, Dichter malen und 
kneten, Maler schreiben Dramen und Musik. —
	        

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