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Ich mußte selbst lächeln, und sie lächelte auch, und 
als sie mich mit ihren braunen Augen so zustimmend an 
sah, dachte ich, daß wir etwas Verwandtes miteinander 
haben könnten. 
Ich hätte gerne eine innige Bekanntschaft gemacht, aber 
das ist unter Frauen gar nicht so einfach. Vor allem will 
ich immer die Bestätigung meines eigenen Mankos hö 
ren; mir scheint aber, die Mädchen, die ich kenne, dürfen 
kein Manko eingestehen. Es ist dann, als ob in ihrem 
Wesen etwas nicht klappen würde. 
So zum Beispiel fragte mich Djemma, indem sie mit 
einem Blick der schärfsten Kritik meinen Sweater be 
trachtete: 
„Warum sind Sie denn so abgerissen?" 
Sie fragte nicht mit Unrecht. Ich war auch keines 
wegs gekränkt, aber mir war doch ein wenig weh. 
„Stört Sie mein Aeußeres? Nicht wahr, Sie persön 
lich nehmen keinen Anstoß daran, hoffe ich?" 
Aber als könne es gar nichts auf der Welt geben, was 
sie persönlich nicht gutheißen würde, sagte sie in sehr 
beruhigendem Ton: 
„Oh, bewahre, mir ist das ganz gleich. Ich meine nur 
woher es kommt, daß Sie kein Glück haben?" 
Jetzt sagte ich aber doch: 
„Sehe ich denn so aus, als wenn ich kein Glück habe? 
Das hängt einem doch nicht an den Kleidern. Uebrigens 
handelt es sich ja nicht um das Glück." 
Da lächelte sie: 
„Nun, gar so weltfremd soll man auch nicht sein."
	        
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