128
man will. Man sagt, was man will. Zweifel können hier
nicht aufkommen.
Die Wahrheit tritt hier so offen zutage, daß, glaube ich,
selbst die Polizei gerührt die Augen schließt. Anders kann
ich mir die Sicherheit der Frau Schneider nicht erklä
ren.
Sie ist eine mollige Frau. Das Leben und Streben der
halben Welt hat sich in scharfer Deutlichkeit seit Jahren
vor ihren Augen abgespielt. Ihre grauen Augen, so klein
sie sind, sehen stechend objektiv aus, und ich lese den be
stätigenden Satz darin: „So ist das Leben, und kann gar
nicht anders sein." Für Frau Schneider gibt es nichts als
ihre Mädchen, die sie ihre „lieben Schäfchen" nennt, und
die ihr bereitwillig den Zins im voraus zahlen.
Also ist Frau Schneiders äußere Existenz von zehn bis
fünfzehn Mädchen gesichert und sie leidet keine Not. In
ihrer Hellen Küche, wo sie auch uns Behaglichkeit bietet,
gönnt sie sich manches Gute. „Ich brauche was Stärken
des," sagt sie, als hätte sie alle Anstrengung allein zu tra
gen.
Rasch gebratene Beefsteaks sind recht aktuell bei ihr.
Es ist, als sei die Sorge, ihre Schäfchen könnten sich auf
der Weide verirren, und was dergleichen Gefahren mehr
sind, recht schwächend für sie.
Schäfchen, finde ich, ist ein sehr zärtlicher Vergleich
für uns. Ich sehe lauter bunte Stücke, die auf den Trep
pen sich auf und ab bewegen, manchmal mit, manchmal
ohne Begleitung.
Ich bin hierhergezogen, hauptsächlich weil Djemma im