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Ob es die ganze Nacht hindurch am Spiegel haften 
blieb? Unbegreiflich wird mir bleiben: es ist ja stunden 
lang geblieben. 
Ich habe es dann zu zeichnen versucht. Ich wollte Ge 
wißheit haben. Ich dachte: wenn am Morgen die Zeich 
nung nicht da ist, ist alles ein furchtbarer Traum gewe 
sen. Gewiß, ein entsetzlicher Traum, aber doch nur ein 
Traum. 
Am Morgen lag diese Zeichnung auf meinem Wasch 
tisch. Es ist kein Traum gewesen. So sehe ich in Wirklich 
keit aus. Alles andere ist Lüge. 
Ich will von mir absehen. Ich weiß sehr wohl, ich kann 
mich durch Grübeln nicht verändern. Ich wünsche wohl 
eine plötzliche Umkehrung, aber ich fühle, es hängt nicht 
von mir ab; nicht einzig von meinem Willen, möchte ich 
sagen. 
Ich beginne an meinem guten Willen zu zweifeln, weil 
ich aus eigener Kraft nicht plötzlich eine Aenderung her 
beiführen kann. Eine Frucht wird nicht in einem Tage 
reif. So scheint mir auch meine Natur beschaffen zu sein. 
Mir träumt immer und ewig von einem Regen, der 
alles Unreine abwaschen wird. Das wäre überirdische 
Gnade. Muß man die Sünde denn so sehr erkennen und 
begehen, bevor man zur reinen Klärung kommt? 
Mir ist oft, als sündige ich, weil andere die Kraft nicht 
haben, ihre Gedanken in Tat umzusetzen. Fühlen andere 
Glanz und Dunkel der Sünde nur im geheimen? So bleibt
	        
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