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Sehnsucht so ohnmächtig sein? Daran kann ich nicht glau 
ben. Denn wenn ein Mensch leben kann, der nichts von 
mir weiß und nicht mehr ahnen kann, was er ent 
flammt, — wie hoch müßen die Menschen einander lie 
ben, die sich sehen? 
Daß gerade das Hoffnungslose dieses Mädchens hin 
ter der Mauer mir Hoffnung gibt! Kann sie denn hoff 
nungslos sein, wenn sie mir selbst Vertrauen und Hoff 
nung gab? Sie muß mir gegeben haben, was sie selbst hat, 
denn nur die Mitwelt macht reich. 
Sie ist meine Mitwelt, die ich gesehen habe. Sie ist 
die Welt, die mich beschenkt. Ihr muß ich es sagen, daß auch 
sie reich machen kann. 2ch will noch einmal hingehen, ihr 
sagen, in welchem Irrtum sie sich befindet, daß sie glaubt, 
sie sei arm, da sie doch alles hat. Von der Hoffnung al 
lein läßt sich leben. 
Das Mädchen hinter der Mauer hat mich stigmatisiert. 
Sie hat sich mit mir verbunden und weiß es nicht. Weiß 
sie es? Oder weiß sie es nicht? Auch in ihrem Unbewußt 
sein liegt ein Zauber. Wie vieles hat sie mir geopfert und 
weiß es nicht. Ach, daß sie mich verstehen könnte, da sie 
mir Liebe gegeben. 
Da habe ich die Liebe, und die will zurückgegeben, wei 
tergegeben werden. Wohin mit allem, womit sie mich 
überschwemmt und erfüllt? Ihr Lichtstrom fließe über alle 
Hoffnungslosen hinweg, damit es so hell werde; damit sie 
erkennen: es gibt keine Hoffnungslosigkeit. 
Oh, daß ich es ihr immer sagen könnte, immer sagen: 
ein Licht scheinet in der Finsternis. Ich habe es gesehen
	        
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