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„Na, meinetwegen," sagt sie erstaunt aus dem Schau 
kelstuhl, „und meines Besuches wegen." 
„Also auch meinetwegen?" 
„Wie Sie wollen. Ich habe ihn von einem Italiener 
jungen gekauft. Es spricht doch für Kunstverständnis, 
wenn man eine Figur hat. Ich habe da auf dem Vertiko 
auch die drei Grazien stehen . . . Die drei Grazien sollen 
ja noch berühmter sein . . . Finden Sie meinen Christus 
etwa anstößig?" 
Sie wirft einen beunruhigten Blick hinauf. „Viel 
leicht finden Sie die drei Grazien anstößig? Das sind 
doch beides Kunstgegenstände, oder soll das etwa keine 
Kunst sein? Kostete mich bare dreißig Mark." 
Ich war sehr begierig zu wissen: 
„Ist es Ihnen gleichgültig, was der Gegenstand dar 
stellt?" 
„Na, für die fetten Schweinereien von Rubens bin ich 
nicht eingenommen. Ich hab' die Bilder in Paris gese 
hen . . . Ich kann sagen, ich möchte sie nicht geschenkt." 
Ich lachte. „In diese Verlegenheit werden Sie sicher 
nicht kommen. Aber Ihr Christus stimmt mich nachdenk 
lich. Ich möchte zu gerne wissen, genau wissen, warum 
Sie gerade ihn kauften, der uns erkauft hat. Schließlich 
und allerdings befinden wir uns in diesem Hause ja nicht 
in einer ausgesprochenen Kirche, und ich wundere mich, 
daß Sie gestern und heute und — Sie werden ja wissen, 
wie es weiter heißt — jemanden beherbergen, wenn auch 
nur in Gips ... der . . ." 
„Machen Sie mich nicht abergläubisch, ich neige ohne-
	        
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