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nung des blinden Herrn, für den man eine Vorleserin 
suchte, wurde ich so schwach, daß ich mich einen Augen 
blick hinsetzen mußte. 
Ich bin aber schnell wieder aufgestanden und auf die 
Straße gegangen. Es war mir im Treppenhause schon 
bunt vor den Augen und ich wollte nicht in Ohnmacht 
und den Menschen lästig fallen. 
Kaum war ich einige Schritte auf der Straße gegan 
gen, als mich meine Unruhe schnell wieder verließ. So 
wie ich die Versuchung, eine gesetzte Arbeit anzunehmen, 
überwunden hatte. 
Von dieser Versuchung kann ich mich aber wohl nie 
mehr befreien, sonst würde ich wohl nicht täglich den 
Arbeitsmarkt studieren. Der Arbeitsmarkt ist mir wie ein 
verbotenes Feld. 
Dabei gehen doch so viele Menschen auf der Straße, 
und meistens zur Arbeit. Oft beneide ich sie auf eine 
boshafte Weise. Sind diese Menschen nicht alle viel mehr 
in der Ordnung wie ich? Mir ist, als dürfe ich den ge 
ordneten Menschen gar nicht in die Augen sehen, als 
könnten sie schon durch den Anblick meiner Person aus 
der Fassung geraten. Ich möchte wissen, ob das wirklich 
so ist oder ob es mir nur so vorkommt. 
Jedenfalls habe ich mir angewöhnt, am Tage die Au 
gen niederzuschlagen und nur auf das Pflaster zu sehen. 
Kommt es aber doch vor, daß ich meinen Vorsatz ver 
gesse, dann sehe ich die Vorübergehenden an. Wer kennt
	        
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