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Schwindeldämonie. Ich lache verächtlich in meinen Spie 
gel hinein über die billige Wirkung der Frau. Dann sa 
ge ich mir wohl: kein Maler von Beruf malt seine Bil 
der doch auf seine eigenen Wangen. Ich aber tue es. 
Für mich treibe ich keine Kunst. Das schaulustige Publi 
kum aber wünscht sehnsüchtig den Schwindel, der ihm 
gefällig geboten wird. 
Ich möchte einmal weniger entgegenkommend sein. 
Nicht wie ein Pfau in allen Farben schillern. So komme 
ich mir oft vor. Es ist ein seltsamer Widerspruch, daß 
dieser Pfau ein Band um sein Gefieder trägt und Buch 
staben in drohendem Schwarz: „Was hülfe es dem Men 
schen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme 
doch Schaden an seiner Seele." 
Alle meine Vergleiche sind nur Symbole für meine 
Wünsche. All mein Trachten aber soll dahin gehen: direkt 
zu sein. 
Ich bilde mir ein, ich schicke nur die eine Hälfte auf 
die Straße. Das habe ich mir lange Zeit einbilden kön 
nen. Aus ist's mit der Einbildung. Jetzt bin ich genö 
tigt, einen ganzen Menschen in die Schildergaffe zu schik- 
ken. Die empfindsame Hälfte bleibt keineswegs zu Hause, 
wie ich mir lange Zeit einreden wollte. Eines Tages sag 
te ich mir: Was läßt sich teilen? Geht nicht ein ganzer 
Mensch zur sogenannten guten Stunde durch die Gertru 
denstraße? Nur meine Sehnsucht geht nicht mit. 
Es gibt doch so viele Mädchen, die so leben wie ich.
	        

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