„Wie kannst du mich nur so blamieren? Wir machen 
doch keine gemeinsamen Geschäfte." 
Und der Herr, gewiß sehr entzückt darüber, etwas 
Annehmbares für billiges Geld zu bekommen, benutzt den 
Vorwurf geschickt. 
„Sind Sie immer so unverschämt und egoistisch?" 
fragt er die Wasserleiche. 
Da konnte ich nicht anders, als ihm sagen, egoistisch 
und unverschämt sei hier nur er. 
Natürlich mußte ich den Tisch verlassen, und auch die 
Wasserleiche ging traurig mit. Wir suchten uns einen 
anderen Platz. 
Die arme Wasserleiche weinte, daß ihr die Tränen die 
Augenschminke verwischten, sah aber immer noch voller 
Sorge nach Fiffys Tisch. 
Ich war sehr traurig, sie so hoffnungslos neben mir 
zu sehen. Noch während ich auf sie einsprach, um sie zu 
beruhigen, kam ein Kellner mit einer Karte zu uns an 
den Tisch: „Bitte unauffällig das Lokal zu verlassen." 
Der Kavalier hatte das wohl veranlaßt. 
So zahlten wir denn und gingen. Ich konnte der Was 
serleiche nicht ausreden, vor dem Cafeeingang zu war 
ten. Sie war ganz verweint und hatte Augen wie ein 
trauriges Tier, das man vertrieben hat, das aber doch 
immer wieder kommt, um seine Zärtlichkeit zu beweisen. 
Schließlich gab ich dem Mädchen die Hand und ließ 
sie allein. Ich denke aber, sie hat ihren Reichtum nicht 
verloren, da sie doch so vieler Liebe fähig ist. 
Es scheint mir viel wichtiger, selbst lieben zu können, 
i; Hennings, Brandmal 193
	        

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