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Wie gerne möchte ich mich ein wenig nach den andern 
richten, aber es muß doch aus innerer Ueberzeugung ge 
schehen. 
Der Wahrheit die Ehre gebend, muß ich gestehen, daß 
meine privaten Begriffe durchaus nicht feststehend sind. 
Ich habe ja überhaupt keinen Standpunkt, da ich mich 
nicht in Gott feststehend empfinde. 
Das ist ein großes Unglück. Ohne Gott gibt es ja über 
haupt keinen Standpunkt. Was für ein hinfälliger 
Standpunkt wäre das, der nicht im Ewigen festläge und 
begründet wäre. 
Keine Weltanschauung ohne Gott. Was sollte ich siche 
ren Auges anschauen können, da ich in solcher Ruhelosig 
keit lebe? Es braucht ja die Ruhe, um zu sehen. 
So irre ich ohne Standpunkt umher. Sucht man den 
Standpunkt denn auf der Straße? Dort kann ich doch 
wohl nur Eckensteher sein und zusehen, wie die an 
dern sicher gehen und stehen. 
Mir ist, als laufe ich nur auf der Straße, um einmal 
stille stehen zu können. Muß man, um stille stehen zu kön 
nen, denn soviel laufen? 
Ich kann mir doch keinen inneren Standpunkt stehlen. 
Und doch sind es Diebesgelüfte, die mich am Tage auf 
die Straße treiben. Dabei wache ich in der Nacht. Der 
Nachtwächter bleibt doch am Tage zu Hause. 
Schon komme ich mir ironisch entgegen und sage mir: 
„Du bist mir ein feiner zuverlässiger Tagwächter. Einer, 
der nicht ausgeschlafen hat." Aber ich habe die Schlaf-
	        
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