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nachsagen. Die Anschauung Gottes ist Gottes Anschau 
ung . . . Niemand hat etwas von IHM gesehen. Es war 
der Schein vom Schein. Sehnsucht kann scheinen, aber 
die Erfüllung bleibt unsichtbar. Würde nicht die Sehn 
sucht aufhören? 
Oh, daß ich ewig unvollendet bliebe. Nur in ungelösch 
ter Sehnsucht um Sonne kreisen. 
Das Gesetz bricht reine Naturen. 
Ich habe lange Zeit darüber nachgedacht, was Tugend 
und Laster ist. Ich weiß es immer noch nicht. Die Tugend 
würde gar nicht auffallen, wenn es kein Laster gäbe. 
Ein Verdienst ist keinesfalls bei der Tugend. Zugute tun 
darf man sich nichts darauf. Aber das sagt natürlich nicht, 
daß man sie ignorieren soll. So einfach kann ich es mir 
nicht machen. 
Ich habe mir ein Gebetbuch gekauft. Und wenn ich in 
der Garderobe auf meine Nummer warte, habe ich ein we 
nig Zeit, die zehn Gebote durchzunehmen, wie sie im 
Beichtspiegel zu lesen sind. 
Ich habe das Gebetbuch immer in einer Nummer von 
„Vie Parisienne", damit man das Kreuz auf der Ein 
banddecke nicht sehen kann. Die Kollegen würden mich für 
eine religiöse Dilettantin halten, und das will ich gar 
nicht gerne sein. 
Kreuz und Gebetbuch sollten billig in jedem Kabarett
	        

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