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Nehme ich ein Weinglas in die Hand, fällt es. Schon
am Morgen schütte ich den Kaffee über das weiße Tisch
tuch. Das kann ich nicht als erste Tat des Tages bezeich
nen. Ich frage mich nur, ob es eine Tatsache ist, daß der
braune Kaffee die Decke verdorben hat. Inzwischen ist
der Kaffee bereits eingetrocknet.
Meine Wirtin kommt, um das Geschirr abzuräumen
und glaubt an Tatsachen, die mich doch nicht die geringste
Anstrengung kosteten. Wie wird es nur zustande gebracht,
daß die Tinte mit peinlicher Regelmäßigkeit seit einigen
Tagen auf mein Lieblingsbuch „Raskolnikow" fällt?
Fällt, fällt? Umgeworfen wird. Am Abend werfe ich
das Belladonnafläschchen um. Es bleibt mir nichts ande
res übrig, als mich meiner Selbständigkeit zu rühmen.
Denn wenn alles ohne mein Zutun geschieht, kann ich mich
auf die Erde, den Schemel Gottes setzen und die Gefäng
niszeit meines Lebens, meine dämonische Strafe, wartend
absitzen.
„'s ist alles scheinbar.
Das ganze Leben,
Die ganze Liebe.
Man glaubt an Liebe,
Man glaubt an Treue
Und ist doch alles
Zum Schluß nur Schein."
Die Gesellschaft singt so vergnügt mit, als wisie sie gar
nicht, was sie eigentlich singt. Sie scheinen gar nicht zu