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ftube war viel behaglicher eingerichtet, wenn auch nicht so 
sauber wie das Leichenzimmer. Dieses ist ein ziemlich 
großer Raum mit grauem, kaltem Zementboden. 
Edi Goldstein hatte feierlich seinen schwarzen Bühnen 
frack angezogen. Das hat nichts ändern können. Der 
Wiener Humorist wollte sich eine Zigarette anzünden. Aber 
Robbi bedeutete ihm, daß das Rauchen hier nicht am 
Platze sei. 
Die Herren waren vorangegangen. Wir Mädchen blie 
ben bei der Tür am Treppeneingang stehen und waren 
so befangen, daß wir nicht miteinander sprachen. Mir war 
dunkel vor den Augen, weil die Sonne draußen so hell 
schien. Graue Vorhänge waren von den hohen Fenstern 
herabgelassen. Obgleich der Komiker mit dem Wärter 
sprach, war eine Art feuchte Stille im Raum. 
Der Komiker benahm sich, als habe er hier zu bestim 
men, und forderte uns mit einer vertrauten Kopfbewegung 
auf, wir möchten näher treten. Wir kamen zögernd, auf 
Fußspitzen. Ich wagte gar nicht, meine Augen zu erhe 
ben. Dann aber hab' ich es doch getan. 
Ach, mein Gott, da lag sie ja, auf einer schmalen Trag 
bahre. Sie hatte noch ihren seidenen Schlafrock an, der 
sich schreiend bunt von ihrem wächsernen Gesicht abhob. 
Oh, dieses Gesicht! Wie kann nur ein Gesicht so schmerz 
verzerrt und zugleich so jung sein. Daß nicht einmal der 
Tod diesen Schmerz zu klären vermocht hat! Ich glaub 
te, der Tod mache alle gespannten Züge gleichmäßig 
und ruhig, so daß der Sterbende im letzten Augenblick ein
	        

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