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färben lassen. Ich fand, es sei nicht paffend, in Tennis 
rock und Chiffonhut meine staubgeborene Hülle zu veräu 
ßern. 
Den ganzen Tag über beschäftigten mich Totengräber 
gedanken. Dazu braucht man nicht Totengräber zu sein. 
Man kann auch Soubrette sein. Vielleicht find die Toten 
gräber viel lustigere Leute. 
Unterwegs probierte ich einen schicklichen Tonfall aus: 
„Entschuldigen Sie, bin ich hier recht, wo man sich ver 
kauft?" Aber wozu die unnützen Fragen, fiel mir ein. In 
der Anatomie ist man doch immer am rechten Ort. Kein 
Zweifel kann dort bestehen. Alles ist wunderbar einfach. 
Ich gehe durch die Moselstraße.Es gehen so wenige Men 
schen in dieser Hitze. Der Schweiß tropft mir von der 
Stirne und mir ist so schwer. Es hat ja auch nicht jeder 
zu besorgen, was ich zu besorgen habe. Wenn ich vor ei 
nem Engagementsabschluß stehe, bin ich stets in nervöser 
Stimmung. So also auch an diesem Tage. Ist ja nicht ver 
wunderlich. 
Hätte ich mir nicht ein Totenhemd anziehen sollen? 
Daß man ffch seinem Beruf auch äußerlich anpaßt, erfor 
dert doch die natürliche Konvention. 
Mein Wintermantel erscheint mir plötzlich deplaciert. 
Jetzt ist nichts mehr zu ändern. Bin nun einmal unter 
wegs. Solange eine Leiche selbst eine Uniform trägt: Skru 
pel beiseite! Auch die Anstandsbegriffe verwesen einmal. 
Konvention fällt über Bord. 
Vor dem Spiegelfenster eines Konfiseriegeschäftes be 
trachte ich mich noch einmal. Nicht vorteilhaft, konstatiere
	        
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