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19 Hennings, Brandmal 
Gesprächsfetzen, fremde, fallen in mich ... Bin ich denn 
ein Aufnahmeapparat? Bin ich beauftragt, fremde Worte 
zu-notieren, damit sie hier zu lesen sind? 
Ich möchte mich manchmal auflehnen und sagen: „Was 
geht es mich an, was in einem Ballokal in Hannover 
gesprochen wird? 
Geht nicht. Geht mich an. Geht alle Welt an. Wo etwas 
angeht in der Welt, das geht mich an. Mir ist, als müsse 
ich um Verzeihung bitten für alles, was ich nicht gehört, 
gesehen, vernommen habe, wobei ich nicht gewesen bin. 
Ohne mich geht die Welt schief und in die Brüche. Wo 
etwas zu halten ist, da halte ich. Kann nicht anders. Ich 
halte, was ich halten kann. Bin Gepäckträger und sage es, 
damit man es weiß. Ich helfe die schwere Welt tragen, 
soviel ich tragen kann. Ich will mich nicht drücken. Ich 
laufe nicht davon. 
Nur nicht zusammenbrechen! O ihr Schwestern aller 
Gassen, seht, ich weine, denn euer Leid ist schwer, und 
mein Leid. Wenn ich das Wort Schwester nur fühle, glau 
be, anbete . . . Tränen fallen nieder, tief, ganz tief, und 
ich bin unter euch, unter euch allen; denke an euch, die 
ihr dasselbe Grauen wie ich empfunden habt. 
Kann denn ein wesentlicher Unterschied zwischen Frauen 
bestehen? Gibt es nicht eine Stelle, da jede Frau Jung 
frau ist? Jungfrau, und sei sie noch so verworfen, preisge 
geben. Kennt ihr das Grauen, vor dem alles, was rein 
blieb, entsetzt flieht: das Grauen vor dem Endlichen? 
Wie vieles wird uns abgesprochen. Dürfen wir immer 
sagen: mit Unrecht? Wie tief müssen wir unseren Grund
	        
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