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Nur, ich war so müde. Das kann man ja werden. So 
müde . . . 
Es war nur gut, daß ich immer weniger Geld brauchte. 
Auch das wenige Geld brauchte nicht eigentlich ich. In 
den letzten Wochen wohnte ich heimlich bei T., der mir 
gut gefiel. Dafür gab es verschiedene Gründe, also kann 
ich ihn nicht geliebt haben. Er gefiel mir sehr gut. Wenn 
nur aus dem alleinigen Grunde, weil er in unmittelbarer 
Nahe des Friedhofes wohnte —: es hätte vollauf genügt. 
O ja, T. hat mir sehr gut gefallen. Nicht nur, weil ich 
Grabkreuze schimmern sah, wenn ich nachts über den 
Eisenzaun kletterte und an sein Fenster klopfte, das im 
Hochparterre lag. Mein Seidenkleid ist einmal hängen ge 
blieben und zerriffen an den Spitzen des Zaunes. Doch 
auch das hat mir gefallen. Doch sehr still. Es war ein 
stilles Vergnügen, wenn man ein Vergnügen so nennen 
kann. 
Wie liebte ich das dumpfe Zimmer. Die dunklen Voile 
gardinen, das ungemachte lässtge Bett, die auf dem Tische 
verstreut liegenden Bücher, die nicht mehr gelesen wur 
den. Die wackligen blau bezogenen Stühle, auf denen man 
nicht mehr saß. 
Am Morgen klopfte es einmal vorsichtig an die Tür. 
Das war T.s Mutter. Mich ging die Welt nichts an, also 
gab es nichts mehr, wofür ich mich hätte schämen sollen. 
Ich hörte leise die Tür öffnen, und das Wort „Geld" 
klang wie aus weiter Ferne an mein Ohr. 
T. verschloß die Tür, trat ins Zimmer zurück, sah mich 
besorgt an. Ich wies mit einer Kopfbewegung auf meine
	        
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