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die Luft wurde unerträglich schwül. 2ch hatte die Zeit 
iu meinen Mantel gehüllt und diesen notdürftig mit Steck 
nadeln zugesteckt, aber die Zeit fiel mir überall aus dem 
Mantel heraus, schlüpfte mir sogar bei den Handgelenken 
aus den Aermeln. 
Ich überlegte mir während des langen Wartens, wie 
ich es anstellen könne, meine Zeit der großen Mühe wegen 
nicht mehr schätzen zu lassen, verfiel aber zugleich in die 
Besorgnis, die Zeit könne mir zu Hause über den Kopf 
wachsen, weil sie doch sichtbar war und sich andauernd 
vermehrte. Würde nicht eine große Unordnung entstehen, 
so daß ich mich zuletzt selbst nicht mehr auskennen könnte? 
. Aber da ich ohnehin schrecklich viel Zeit gefaßt hatte, 
wandte ich mich an einen der Beamten, der, wie mir schien, 
die Zeit sehr gut zu schätzen und einzuordnen verstand. 
Ich sagte ihm alle meine Bedenken, und daß es beinahe 
über meine Kraft gehe, die Zeit zu tragen, er möchte doch 
ein Einsehen haben und es mir ein wenig erleichtern. 
Er sah mich ernst und ruhig an, da begann ich zu stot 
tern: „Ich habe keine Zeit, mich mit der Zeit aufzuhal 
ten." Verlegen stolperte ich über die Zeit, die mir überall 
im Wege lag. 
Der Beamte sagte mir darauf kurz: „Wer seine Zeit 
nicht erfaßt, ist des Todes schuldig." 
Das genügte, und ich machte nicht mehr den aller 
geringsten Einwand; denn meiner Bequemlichkeit wegen 
wollte ich doch nicht mein Leben verwirken, und ich war 
tief beschämt. 
Jetzt aber ist hellichter Tag, und die Zeit spinnt sich
	        
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