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weiter in mir. Ich bin von Zeit umstellt . . . Heut früh 
war ich so ergriffen, daß ich ins Cafe gegangen bin, als 
könne ich der Zeit entfliehen. Aber sie ist mir gefolgt. 
Dort habe ich ein Butterbrot bekommen und eine Taffe 
Kaffee dazu. Natürlich für Geld. Geld ... 
Ich möchte gerne wiffen, ob das Geld das einzige sicht 
bare Zeichen meiner Verwahrlosung ist. Das Geld in 
meiner Tasche erschien mir sehr fragwürdig. Es kommt 
mir immer verdächtiger vor. Das Geld ist Blamage, das 
aufdringliche Zeichen der Schande. Ich putze mein Geld 
mit meinem Taschentuch, bevor ich es in harmlosere Hän 
de gebe; damit es wenigstens äußerlich sauber ist. Das 
Geld ist immer falsch, aber doch eine wirksame, vorzüg 
liche Täuschung. Es gibt ja gar kein echtes Geld, sage ich 
mir. Es wäre ein Zufall, wenn es damit einmal stimmen 
sollte. Was man eintauscht, ist doch etwas ganz anderes. 
Ich kann aber doch nicht allein so subjektiv schätzen. 
Ich habe ein Butterbrot bekommen und eine Tasse 
Kaffee, und dafür lege ich mein irrsinniges Zehnmarkstück 
auf den Marmortisch. 
Für dieses Zehnmarkstück wurde ich selbst auf den 
Tisch gelegt, es wurde mit mir bezahlt. Darum lege ich 
heute ein schillerndes Goldstück auf den Tisch. Und das 
soll ich sein? Wie kann man mich nur mit einem Goldstück 
vergleichen? Mich? Ich hab' doch etwas Flirrendes in 
mir. 
Der Kellner ahnt nichts. Weiß nicht, woher das Geld 
stammt, ahnt nicht, daß ich selbst das Zehnmarkstück be-
	        
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