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Mutter . . . Die liegt allein mit ihrem Kinde . . Welche 
Nacht mag das für dich gewesen sein . . . Gab es je 
heilige Nächte? 
Ich saß wie auf Kohlen. Aber ich hatte doch diese Kell 
nerei angefangen. Es gibt Kellnerei in der Welt. Jetzt bin 
ich doch Kellnerin und habe Kellnerin zu sein. 
Als ich ein paar Minuten mit Nettchen allein war, 
konnte ich mich nicht enthalten, sie zu fragen: „Ist es Ih 
nen nicht unangenehm, Nettchen, eine fremde Haut zu be 
rühren?" Ich stellte meine Frage so, weil ich nicht zu fra 
gen wagte: „Was empfinden Sie?" 
Sie sah mich ein wenig erstaunt an. Natürlich, sie 
mußte sich erst besinnen. 
Ganz gleichmütig sagte sie: „Er ist doch ganz sauber. 
Mir macht das übrigens gar nichts aus. Das ist doch 
Geschäft." 
Nettchen dachte wohl, ich langweile mich. Denn plötz 
lich fragte sie, ob ich Klavier spielen könne. Wie mich 
dieses Mädchen doch befangen macht. Ich erzählte, daß ich 
beim Organisten unserer Stadt die Dammsche Klavier 
schule durchgemacht habe. 
Da lachte sie hell auf. Auch der junge Vater lachte. 
Wie hat er nur so lachen können, wenn doch seine Frau ... 
Daß ich mir immer die Frau mit dem Kind im Arm vor 
stellen muß! 
„Sie brauchen doch kein Eramen ablegen, Dagny," 
sagte Nettchen zu mir und zog mich lustig ins Lokal. Da 
steht in der Ecke ein Nußbaum-Klavier. 
Unser Klavier zu Hause ist ja schwarz und ohne jedes
	        
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