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meines Lebens, mich hier empfinde, im Raume fühle, mich 
faffe, behalte, das ist Beruf. 
Aber Raum ist so groß. Die Unendlichkeiten einer 
Straße zu ersaßen, auf der so viele Menschen gehen! Vol 
ler Gier spähe ich in jedes Auge. Aus jedem Auge, in das 
ich hineinsehe, leuchtet mein Auge heraus. Ist es nicht 
meine Welt, die aus fremden Augen schimmert? Alles, 
was ich ansehe, ist mein und gehört doch allen. So bin ich 
ausgesetzt. Allen. Allgemeingut und Freiwild. Wer will, 
kann mich jagen. 
Der Wille eines jeden Menschen überwältigt mich. 
Da liegt meine Gefahr und mein Glück. Ich bin so wil 
lenlos. Wie geblendet bin ich vom Willen der Menschen. 
Immer bete ich, daß sie doch nur Gutes wollen möchten, 
denn das Böse wird mir zum Verhängnis, wo es mir be 
gegnet, und es ist so schwer für mich, da standzuhalten. 
Es ist so schwer zu denken, beinahe unausdenkbar, daß 
Menschen Böses beabsichtigen. Weil das Böse so uner 
klärlich ist. Meine Welt taumelt und alles schwankt mir, 
sobald Besorgnis in mich einschleicht. 
Verstört werde ich, wenn ich an der Güte der Men 
schen zu zweifeln beginne. Ich ringe nur um dieses eine: 
daß alles gut sein möge. Jeder Irrtum ist verzeihlich, 
wenn er nur auf dem gütigen Grunde aufgebaut ist. 
Jeder kann sich irren. Das ist die Schwachheit, die wir 
milde umarmen, denn wir sind Menschen. So stark ist 
niemand, daß er dem Tode widerstehen könnte. Dem Tode 
ist doch jeder unterworfen. Selbst der Stärkste, der ein 
Leben lang auf sich besteht: im Tode fällt er, fallend ein
	        
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