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müder Halm. Wenn nicht der Hauch Gottes über allem 
läge, wer könnte da leben? 
Zwei Gewalten in einem Menschen? Gut und Böse? 
Ich halte, halte, will halten. Das einzige, was ich will. 
Das Gute sammeln, tragen, es hinüberretten in eine 
Ruhe, in ein Land, wo alle Lasten sinken werden. Wel 
chen Beruf könnte ich sonst haben? Ich weiß nichts an 
deres. 
In dieser Nacht träumte mir: ich stand auf einem gro 
ßen Spielplatz. Das war ein grüner Rasen, der mit 
Sternblumen übersät war. Und ich sah viele Kinder, un 
absehbar viele Kinder, und zwischen den Kindern leuch 
teten die Sternblumen hervor. Noch bester als die Stern 
blumen aber gefielen mir die Kinder. Und es war mir 
erlaubt, dieser göttlichen Gemeinde zu erzählen, daß das 
Märchen die Wahrheit sei. 
Da fürchtete ich, meine Stimme würde nicht ausrei 
chen, und ich war ganz verzagt. Aber mein Verlangen, 
mich verständlich zu machen, war unendlich groß. Ich selbst 
aber wurde dabei klein wie ein Kind. 
Alle Kinderaugen sahen erwartungsvoll in der Rein 
heit der Sternblumen auf mich. Das rührte mich sehr. Ich 
war so bewegt, daß mir die Stimme versagte. 
In meiner Hilflosigkeit streckte ich meine Hände aus, 
und da fühle ich, daß erst in diesem Augenblicke die Kin 
der selbst mich das Märchen der Wahrheit lehrten; oder 
war es umgekehrt? Es vermengte sich so seltsam, und das
	        

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