Full text: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

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lehnte sie ab. Sie konnte in ihrer offenbaren Be 
schränktheit nicht einsehen, dass für Flametti dieses 
Indianerspielen ein Bild* ein Symbol war, ja eine Le 
bensfrage; begriff nicht, wie ein vernünftiger Mensch, 
ein Mann, sich so kindisch benehmen konnte. Sie 
hatte, kurzum, keinen Sinn für die Illusion, verstand 
auch nicht, was der Farolyi gekauderwelscht hatte. 
Spielen, Wetten, Revolverschiessen; Pariser Apachen, 
Felsengebirge und Honolulu; ein Ritt durch die Wüste, 
Komantschen, Bluthunde und Polizei: das alles waren 
ihr spanische Dörfer. 
Weltfremd war Jenny und eitel dazu. Sie konnte 
für möglich halten, das ganze Fest sei nur für sie 
arrangiert gewesen; Flametti nur für sie, für Jenny 
mama, geboren, sei es, indem er den Diener machte, 
wenn (sie Karotten einkaufte; sei es, indem er Mannderl 
und Weiberl schnitzte fürs Wetterhäuschen. 
Und ganz besonders: für ,Wigwams* hatte sie gar 
keinen Sinn. Sie hielt das für Humbug. In kleinlicher 
Missgunst klammerte sie sich an Aeusserlichkeiten, 
warf ihm gewöhnliche Vielweiberei vor. Als ob sich 
ein Mann seiner Art von der Fertigkeit eines einzigen 
Weibes gefesselt, entzückt und versorgt fühlen konnte. 
Flametti versuchte umsonst, es ihr klar zu machen, 
morgens um zehn Uhr, im Bett. Sie verstand nicht. 
„Also was heisst das?** setzte sie sich verbissen 
und leidenschaftlich im Bett auf. 
„Dass ich meine Ruhe haben will!** erklärte Fla 
metti abschliessend und drehte sich nach der anderen 
Seite. 
Aber damit gab Jenny sich nicht zufrieden. So 
liess sie sich nicht abspeisen. Klarheit wollte sie haben
	        

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