Full text: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

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Grosse Augen machte Fräulein Traute. Arbeits 
haus? Strasse? Polizei? Was war denn passiert? 
Was war denn geschehen? Warum? Wieso? Was 
hatte sie denn getan? 
Sie bekam’s mit der Angst. Verstört und vertattert 
riss sie die Augen auf. Ihr Mund hing schief. Zitternd 
und bebend beeilte sie sich, ihr Kleid zu schliessen. 
„Was hab’ ich denn getan? Ich habe doch nichts 
getan!“ stotterte sie. 
„Du wirst schon wissen, was du getan hast!“ 
schrie Jenny. „Fort! sag’ ich dir! Raus! Nur raus! 
Ich werde dir Beine machen!“; riss Trautes Sachen 
vom Haken und warf sie ihr zu. „Das andere kannst 
du dir holen lassen. Nur raus, auf der Stelle!“ 
„Sie haben mich hier nicht rauszuwerfen. Flametti 
hat mich hier rauszuwerfen!“ versuchte Traute. 
„Was hab' ich?“ schrie Jenny, jetzt vollends ra 
biat, und keilte die Künstlerin aus dem Verschlag. 
Die hielt sich mit beiden Händen fest an der Tür. 
Die Türe schlug zu. Zwei Vasen mit Binsen und 
Klatschmohn fielen zerschellend hoch vom Büfett. 
Nettchen, der Dackel, schoss, ein fauchendes Kro 
kodil tmt zwei Reihen Sägezähnen, hervor aus den 
Sofafransen. 
Die M;ädel kreischten. Flametti, im Hemd, mit 
haarigen Beinen, drang aus dem Hauptfrauzimmer. 
„Was gibt’s denn da?“ riss er die Sklavin der 
Hauptfrau weg. 
„Hier gibfs eine Kindsleiche, wenn sie nicht raus 
kommt.“ 
„Hilfe! Hilfe!“ schrie Traute, als sei ihr der Hals 
bereits abgeschnitten, und rannte zum Fenster.
	        
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