Full text: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

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könig, Engel, seiner Kreatur, die vor kurzem noch 
Monteur gewesen, dann zum Variete übergegangen 
war. 
„Salü Max!“ grüsste Engel familiär, doch in 
respektvoller Distanz. „Auch schon munter?“ 
Max machte Halt, ein wenig degoutiert, seinen 
Lieblingsgruss aus fremdem Mund zu vernehmen. 
Ziemlich nachlässig und nebenhin sagte er „Salü!“, 
nahm die Zigarette aus dem Mund und kniff das 
rechte Auge zu. 
„Das war ein Gaudi heut nacht!“ legte Engel 
los, „hättest dabei sein müssen! Der Pips war 
mit und die Margot und die lange Mary und eine 
ganze Gesellschaft aus Chaux-de-Fonds. Unten bei 
Mutter Dudlinger. Fünf Schampusflaschen haben wir 
die Hälse gebrochen. Und ein Lärm! Da war Pinke- 
Pinke!“ 
Mit sportsmännischer Nachlässigkeit hielt er den 
Arm lang ausgestreckt und tippte die Zigarettenasche 
gegen die Gosse. 
Max war sehr uninteressiert. Die Abenteuer seines 
schmächtigen, für Zusteckereien allzu empfänglichen 
Ausbrecherkönigs imponierten ihm nicht. 
„Komm mit!“ sagte er unvermittelt und packte 
den Ausbrecherkönig beim Arm, „trinken wir im 
,Ochsen 4 'ne Halbe! 44 
Und sie schwenkten hinüber über die Gemüse 
brücke zum ,Roten Ochsen 4 . 
„Du, Max, 44 meinte Engel und versuchte, mit dem 
mächtig ausschreitenden Flametti gleichen Schritt zu 
halten, „sag’ mal aufrichtig: Hast du der Margot 
einen Aal versprochen? Sie sagt's nämlich. 44
	        

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